Welcome to Australia

Welcome to Australia

Ein kleiner Kulturschock morgens um 8 Uhr in Cairns. Dieses Mal in die andere Richtung.
Cairns, fast so groß wie Darmstadt, liegt im Norden von Queensland und ist die erste größere Stadt an der Ostküste und somit für uns der ideale Startpunkt für unseren Trip.

Cairns

Hier ist gerade Winter was bedeutet es sind „nur“ um die 27 Grad und weniger Regen als sonst. Das Zweite können wir zumindest nicht bestätigen, denn es regnet die erste Woche in Cairns ununterbrochen und wir kommen uns fast vor wie in Deutschland.
Der Kulturschock zeigt sich darin, dass man auf einmal nicht mehr verhandeln muss bevor man ins Taxi steigt und sich nicht Anschnallen eine Strafe kostet (95% aller Autos in Asien besitzen gar keinen Gurt, also total ungewohnt für uns). Auch schnell merkt man, hier ist alles geregelt und organisiert. Das Chaos der letzten Monate findet (leider?) ein Ende. Im Supermarkt gibt es alles zu kaufen was das Herz begehrt und wir schlagen zu, mit dunklem Brot, Wurst und Unmengen Käse.

Die ersten Tage stehen organisatorische Sachen an. Jeder von uns braucht eine Prepaid SIM-Karte, Steuernummer und ein Bankkonto. Und wir brauchen jetzt entweder schnell ein Auto oder eine alternative zum teuren Hostel.
Nach den ganzen letzten Monaten kommen wir mit den teuren Preisen hier erstmal überhaupt nicht klar. Nach einer Woche im Hostel finden wir eine Kleinanzeige mit den Worten „ Working for Accomodation“.

Jeder von uns muss 5 Tage die Woche jeweils 2h arbeiten und dafür können wir umsonst im eigenen Zimmer übernachten. Wifi und Pool inklusive. Na das klingt doch mal nach was. Eine E-Mail, ein Telefonat und eine Art Vorstellungsgespräch später ziehen wir hier für 3 Wochen ein.
Während dem Einzug überkommt uns der Gedanke vielleicht doch zu schnell 200 Dollar als Garantie hinterlegt zu haben, dass wir auch die 3 Wochen bleiben. Aus dem Hostel rauszukommen und uns täglich 45 Dollar zu sparen war einfach zu verlockend. Jetzt sehen wir zum ersten Mal genauer hin und stellen fest, dass die tolle Unterkunft gar nicht so toll ist, sondern vielmehr eine runtergekommene Messibude. Nach einer Grundreinigung ist zumindest unser Zimmer bewohnbar auch wenn die Matratze schon 20 Jahre alt ist und man jede einzelne Feder spürt. Immerhin haben wir am Wochenende frei und auch so genug Zeit um uns weiter nach einem Camper Van umzusehen.

Cairns selber ist ein schönes Städtchen, nicht zu klein nicht zu groß. Es gibt alle möglichen Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten und man könnte es mit Darmstadt vergleichen, wären da nicht ein paar Extras auf die man in Deutschland vergeblich warten würde.
Cairns Promenade am Meer entlang ist gleichzeitig ein Park, in dem alle hundert Meter kostenlose BBQ-Plätze stehen an denen man umsonst grillen kann. Am Wochenende spielen im Park kostenlos Bands und an jedem Wochentag gibt es morgens und abends verschiedene Sportkurse die gratis angeboten werden. Volleyball, Boxen, Skaten, Bouldern, Kraft, Ausdauer, es ist alles dabei. Gekrönt wird das Ganze von der Lagune, einem riesigen Salzwasserpool der für alle kostenlos ist, ebenso wie Sanitäreinrichtungen mit Warmwasserduschen. Kein Wunder das hier bei schönem Wetter der ganze Park voll mit Leuten ist und Cairns immer mehr zum Touristenmagneten wird.

Autokaufen in Cairns

Beim Autokauf haben wir jedoch Glück, dass in Cairns die Hauptsaison noch nicht los geht und somit die ganzen Backpacker auf sich warten lassen. Daher gibt es mehr Angebot an Camper Vans als Leute die einen suchen. Allerdings ist unser Traumauto doch nicht dabei und da wir ja kostenlos wohnen können haben wir auch keinen Zeitdruck. Nach und nach verengt sich unsere Suche und schließlich schlagen wir zu.
Ein Ford Econovan von 1998 der größtenteils schon umgebaut ist wird unser neues Zuhause und da doch noch einiges am Auto mechanisch gemacht werden muss können wir den Kaufpreis von 6000 AUD auf 4200 AUD runterhandeln. Die nächsten Tage gilt es nun alles auf unsere Bedürfnisse umzubauen und eine günstige Versicherung zu finden.
Mittlerweile ist unser Auto echt ein Zuhause auf vier Rädern. Mal die coolen Fakten in Kürze:

- Umbaubaren Innenraum von Bett zu Couch
- Regalsystem und Stauraum im Unterbau
- Küchenzeile mit Doppelgasherd und 35l Kühlschrank
- LED Beleuchtung Innen und Außen
- Zweites Batteriesystem für Kühlschrank und Licht
- Gute Anlage mit iPod Anschluss für Roadtripmusik
- Sonnensegel und Regenschutz
- Moskitonetz mit Magneten

Technisch haben wir alle sicherheitsrelevanten Teile reparieren lassen und nach einem Filter und Ölwechsel dürften wir hoffentlich die nächsten 10000km ohne größere Probleme fahren können.
Kleinere Umbauten, Reparaturen und Lötarbeiten konnten wir Gott sei Dank in unserer Unterkunft erledigen, da unser Messi-Opa eine vollausgestattete Garagenwerkstatt mal allen erdenklichen Werkzeugen besaß.

Unsere Gesamtausgaben vom Campervan findet ihr hier

Erster Testtrip zum Geburtstag

Frisch aus der Werkstatt haben wir unseren ersten kleinen Trip unternommen. Zu meinem Geburtstag sind wir mit ein paar anderen Deutschen, die wir in der Wäscherei kennengelernt haben, in die anliegenden Atherton Tablelands gefahren.
Vorbei an glasklaren Vulkankraterseen zu eiskalten Bilderbuchwasserfällen durch eine traumhafte Landschaft, die sich innerhalb weniger Kilometer von Städten mit Strand weiter zu Feuchttropen bis zu weitläufigen Gras und Weidelandschaften verändert. Abends feiern wir bei riesigen Rumpsteaks und Wein am Campingplatz und tagsüber geht es weiter zu einem Nationalpark mit übergroßen Steinschluchten zwischen denen Seen zum Baden einladen und überall zahme Wallabys rumspringen, die man füttern und streicheln kann. Nach der serpentinenreichen Strecke sind wir mittlerweile auch genügend mit den Ausmaßen und Eigenheiten unseres neuen Eigenheims vertraut.
Noch eine letzte Woche Arbeiten und wir können endlich loslegen.

Arbeiten für kostenlose Unterkunft

Ja hierzu müssen wir auch noch ein paar Worte loswerden, auch wenn wir hier nur wenig Fotos gemacht haben. Unser Vermieter Terry war eben schon ein ganz besonderes Kaliber. Anfangs extrem nervig mit seinen komischen Witzen, lag es aber wohl mehr daran, dass zum einen alles sehr, sehr schmutzig war und er zum anderen einer der krassesten Sammel-Messis überhaupt ist.

So musste Kaja jeden Tag eines der drei Häuser putzen, hat dazu nur alte Lappen bekommen und für alles egal ob Bad oder Küche einen Industriereiniger. Die Wohnräume der Häuser sehen alle nur zusammengeschustert und improvisiert geflickt aus. Als uns abends in der Küche regelmäßig 4-5 Kakerlaken besuchen ist schon wieder ein neues Eckellevel erreicht.
Die Arbeit mit Terry selber stellt sich zwar als abwechslungsreich und interessant heraus, aber dafür geht es regelmäßig in seinen Messikeller, der von Spinnen, Kakerlaken und Stechmücken nur so wimmelt. So machen die mechanischen Arbeiten an seinem Boot auch gleich weniger Spaß wenn man innerhalb von Minuten total zerstochen ist oder dauernd aufpassen muss das nicht irgendwas auf einem rumkrabbelt.

Auch die Arbeiten auf dem Dach für den Schutz vor Zyklonen (tropische Wirbelstürme) waren zwar ganz interessant, aber alles war mehr ein komisches Eigenprojekt als was Fundamentales was auch in 10 Jahren noch hält.
So ist auch der Pool kaum noch zu benutzen, die Häuser gammeln weiter vor sich hin und anstatt von Grund auf einmal klar Schiff zu machen, wird alles mehr und mehr zusammengeflickt und kostengünstig zusammengehalten.
Wir sind auf jeden Fall froh endlich weiter reisen zu können. Ist unser Auto doch meilenweit besser in Schuss und sauberer als diese Messibude.

Nach einem Monat in Cairns juckt es uns auch nicht nur wegen der vielen Mückenstiche endlich mit unserem Roadtrip zu beginnen.

Unsere Reiseausgaben in Australien findet ihr hier

Unsere Gesamtkosten für unseren Campervan sind hier zusammengefasst

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