Vulkane besteigen auf Java

Vulkane besteigen auf Java

Jetzt kommt wieder etwas das schon mehr nach unserem Geschmack ist. Kultur hin oder her aber wenns uns vom Hocker haut, dann hat es eigentlich immer etwas mit Natur zu tun.
Wir ziehen weiter und haben uns auf dem Weg nach Bali noch zwei Naturhighlights rausgesucht. Den Gunung Bromo und den Ijen Krater. Der Bromo ist der berühmtere Vulkan, da dieser noch die ganze Zeit am Qualmen ist. Der Ijen ist aber nicht weniger interessant und mit seinem Schwefelsee im Vulkaninneren etwas ganz Besonderes. Das gibt es nur zweimal auf der Welt. Wir haben bei beiden Halt gemacht und sind seitdem hin und weg von den Vulkannaturgewalten.

Gunung Bromo, Probolinggo

Fast hätten wir uns von der Tranportmafia soweit einschüchtern lassen, dass wir überlegt haben den Gunung Bromo komplett auszulassen. Wie allzu oft wird einem wieder suggeriert man könne den Vulkan nur in Kombination mit einer Tour besichtigen. Das geht hier in Probolinggo sogar soweit, dass es in der ganzen Stadt keine Roller zum Ausleihen gibt und man zwangshalber auf die teuren Shuttlebusse bis ins Dorf vorm Vulkan angewiesen ist. Hier scheint eh alles etwas anders zu sein und so nächtigen wir auch in einem Hotel in dem man als nicht verheiratetes Paar sich kein Zimmer teilen darf. So schnell sind wir dann offiziell mal Mann und Frau und haben zum Glück auch sonst keine Probleme hier. Aber zurück zum Bromo. Nach gründlicher Recherche haben wir uns natürlich gegen eine Sonnenaufgangstour entschieden und sind gegen Mittags einfach hoch zum Bromo für einen leicht erhöhten Fahrpreis gefahren. Zu unserem Glück sind wir immerhin von den überteuerten Eintrittspreisen verschont geblieben und haben uns einfach am Pförtner vorbeigeschlichen, der anscheinend auch nur kontrolliert, wenn früh morgens die Massentouristen herbeiströmen.
Der Clou ist, dass sich wirklich alle Touris bemühen früh morgens aufzustehen und mit einer Jeeptour zum Krater fahren um sich den Sonnenaufgang anzuschauen. Das machen so viele, dass morgens hunderte von Touristen an der gleichen Stelle stehen und losknipsen wie die Verrückten. Wir laufen dagegen mutterseelenallein durch die surreale, graue Vulkanlandschaft, die man auch allemal für einen Film auf dem Mond oder Mars hernehmen könnte.
Über mehrere Kilometer weit ist die komplette Gegend von Asche bedeckt und einzig die Fahrrinnen der Jeeps erinnern an die Touristenmassen, die morgens hier vorbeigekommen sein müssen.

Wer mal echte 50 Shades of Grey sehen will sollte sich das hier nicht entgehen lassen. Wir laufen weiter und erkennen flussähnliche Betten in denen wohl zuvor mal Lava geflossen ist. Auch hören wir mittlerweile im regelmäßigen Turnus den Bromo brummen. Mit jedem Meter den wir näher kommen wird es lauter und lauter.
Wir stehen jetzt direkt vorm Vulkan und uns trennen nur noch ein paar 100 Treppen bis zum Kraterrand. Ein paar Minuten später stehen wir oben und unser Herz fängt an zu schlagen. Es gibt einem ein bisschen das Gefühl Frodo zu sein und am Schicksalsberg von der Herr der Ringe zu stehen.
Zuerst eine unnatürliche Stille, die einem die Ruhe vor dem Sturm vorgaukelt. Und kurz darauf ein tiefes, dunkles Brummen. Man kann es richtig im Magen und im ganzen Körper spüren. Und dann wird es laut. Der Vulkan spuckt riesige Wolken aus Rauch und Asche und teilweise können wir sogar Lavafetzen am inneren Kraterrand erkennen. Es wird so laut dass wir uns nur noch mit Anschreien verständigen können und es vibriert so sehr, dass wir schon freiwillig wieder drei Schritte zurück machen.
Und dann wieder Pause..und so geht es weiter und weiter. Nachdem wir kapieren, dass der Vulkan uns nicht gleich mit Lava begießen wird, werden wir jetzt auch mutiger und fangen an den kleinen Weg am Rande des Kraters entlang zu laufen. Immer wieder müssen wir stoppen, da so starke Schwefel und Rauchschwaden aus dem Vulkaninneren kommen, das jeder normale schon freiwillig die Flucht ergreifen würde. Wir verstecken uns hinter Felsvorsprüngen, warten ein paar Minuten und wandern dann weiter.
Von jeder Seite sieht der Vulkan komplett anders aus und so kriegen wir vom Fotos und Videos machen nicht genug und sind völlig hin und weg von diesem Naturschauspiel, das wir hier beobachten können.
Mittlerweile gibt es auch schon keinen ausgetretenen Pfad mehr und wir umrunden schließlich einmal komplett den Krater. Während wir immer wieder an der Spitze des Kraterrandes entlang balancieren und hoffen im Ernstfall lieber nach außen als nach innen zu fallen, doch alles gut.
Nach zwei Stunden haben wir die Umrundung geschafft und sind uns am Ende ziemlich sicher, dass es nur eine handvoll Menschen gab, die ebenfalls diese Umrundung gewagt haben.
Wir betrachten noch eine Weile das Panorama und genießen es diesen riesigen Vulkan ganz für uns alleine gehabt zu haben, bevor wir schließlich den Heimweg antreten. Bei Dunkelheit wäre es hier dann doch einfach zu gruselig und gefährlich.
Durch Zufall haben wir auch das Glück an zwei Brüder mit ihrem LKW zu geraten, die durch Java touren und überall ihre Mützen verkaufen. Die beiden netten Jungs laden uns sogar zum Essen ein und nehmen uns ein gutes Stück Richtung Stadt mit. Ohne die beiden wären wir wohl am selben Tag kaum noch zurückgekommen. Am Ende des Tages sind wir völlig weg und uns einig, dass dies ein absolutes Highlight unserer Asienreise war.

Ijen Krater, Bangyuwangi

Kaum haben wir unseren ersten Vulkan bestiegen, jagen wir gleich dem zweiten hinterher.
Und wir haben es doch schon wieder getan. Wollten wir uns eigentlich keine Sonnenaufgänge mehr geben und deswegen zu abartigen Uhrzeiten aufstehen, so gibt es eben doch noch ein paar Naturschauspiele für die sich das frühe Aufstehen lohnt.
So wie hier beim Krater des Ijen Vulkans. Dieser ist nämlich kein gewöhnlicher Vulkan sondern beherbergt in seinem Inneren einen ganz außergewöhnlichen See und seine postvulkanischen Aktivitäten sind einmalig auf der Welt.
In unserem Homestay lernen wir zwei deutsche Jurastudenten auf Kurzurlaub kennen und überreden die beiden kurzer Hand den Vulkan ohne Tour zu besteigen.
Nach einer kurzen, schlaflosen und durchgeschwitzten Nacht machen wir uns mitten in der Nacht los und fahren zwei Stunden mit dem Roller durch die Dunkelheit um rechtzeitig den Anstieg zum Krater zu beginnen.
Für den Hinweis sich am Eingang noch Atemschutzmasken auszuleihen werden wir später auch noch mehr als dankbar sein.
Mit Stirnlampen ausgerüstet spazieren wir gegen 3 Uhr nachts los und überholen die ein oder andere Gruppe. Kaum oben angekommen überrascht uns schon die erste Schwefelwolke, die uns Tränen in die Augen treibt und uns zum Tragen der Schutzmasken zwingt. Kurzer Hand lassen wir uns doch von einem Guide überreden uns den Weg hinab in den Krater zu zeigen, auch wenn der Weg im Nachhinein locker allein machbar gewesen wäre. Auf dem unbefestigten steinigen Weg kommen uns immer mehr Schwefelarbeiter entgegen, welche 40-80kg des abgetragenen Schwefels auf einer Holzstange mühsam den unebenen Weg nach oben transportieren.
Wir erfahren dass die Jungs pro Kilo gerade einmal ein paar Cent verdienen. Ein absoluter Höllenjob.
Wir steigen weiter hinab, versuchen den Arbeitern nicht im Weg zu stehen, was gar nicht so leicht ist da der Abstieg immer schwieriger wird.
Der Grund uns die Tortur in der Nacht anzutun liegt daran, dass man nur nachts das blaue Feuer sehen kann. Die Sulfatare erreichen an den Austrittslöchern Temperatur von bis zu 600°C. Genug als das sich der Schwefel hier selbst entzündet und man vor der Morgendämmerung den Schwefel in blauem Feuer brennen sehen kann.
Doch als wir an den Austrittsstellen ankommen, geraten wir direkt in eine kleine Massenpanik. Der Wind hatte sich gedreht und wir stehen mitten in einer dicken Schwefelwolke, die Augen und Rachen brennen lässt und alle panisch das Weite suchen. Wir bleiben ruhig gehen in die Hocke, wie einige andere auch und warten einige Sekunden bis sich die Wolke verzogen hat. Selbst die Schwefelarbeiter unterbrachen ihre Arbeit und suchten einen tiefer gelegenen Punkt um abzuwarten.
So krass hatten wir uns das garantiert nicht vorgestellt. Selbst die Atemschutzmasken haben hier nichts mehr geholfen. Die Augen haben getränt und der ganze Rachen hat gebrannt wie Hölle.
Als wir uns nicht mehr sicher waren, ob wir nicht lieber den Krater verlassen sollten, drehte glücklicher Weise der Wind und wir konnten uns wieder näher an das blaue Feuer heranwagen.
Einen höllischen Anblick bietet dieses blaue Leuchten in der Dunkelheit. Die Arbeiter selbst sind ca. 10m unterhalb des Feuers. Dort läuft der flüssige Schwefel aus großen Fässern heraus und kühlt auf dem Sand aus. Innerhalb von wenigen Minuten ist der Schwefel hart und soweit abgekühlt, dass man ihn anfassen und die dicken Brocken aus dem Sand heben kann.
Wenige Meter neben der Schwefelmine erkennen wir in der Morgendämmerung dann den See aus Schwefelsäure. Dieser hat je nach Aktivität eine Temperatur von 32-48°C und hat einen pH-Wert von 0,5 - 0,8. Er ist extrem sauer und dampft vor sich hin. Mit der bloßen Hand kann man die abstrahlende Wärme spüren. Nachdem wir genügend Fotos von diesem lebensfeindlichen Schauplatz gemacht haben, begeben wir uns kurz nach Sonnenaufgang langsam wieder auf den Heimweg.
Keine zwei Stunden Rollerfahrt trennen uns von der angenehmen Kühle oben auf dem Vulkan und den 35°C, die in unserem Zimmer auf uns warten.

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