Von Jakarta nach Yogya

Jakarta, Indonesien

Und wieder ein neues Land. Unser zehntes auf der Liste seit wir los sind. Jetzt sind wir sozusagen zweistellig unterwegs 🙂 Und mal wieder sind wir in einer riesen Metropole gelandet. Eigentlich interessiert uns die Natur ja immer mehr, aber für ein zwei Tage sich dem hektischen Treiben einer Millionenstadt hinzugeben hat auch immer wieder was.
Dabei knackt Jakarta alle unsere Rekorde bis jetzt. 20 Millionen Menschen leben hier und ehrlich gesagt ob 11 Millionen in Ho Chi Minh City oder 8 Millionen in Hong Kong, ab einer gewissen Größe merkt man keinen Unterschied mehr.
Dennoch sind wir gespannt was uns hier erwartet, da uns drei Reisebekanntschaften, die wir in Myanmar kennengelernt haben, erzählt haben, hier sei es noch wesentlich vermüllter als dort.
Das können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen und müssen uns jetzt eben selber davon überzeugen.
Auch sind wir gespannt auf welche Art und Weise sich die Religion hier auf die Gastfreundschaft auswirkt und wie die Menschen hier miteinander umgehen. Als größtes muslimisches Land der Welt und das generell mit der vierthöchsten Population weltweit ist Indonesien noch mal ein ganz anderes Kaliber als das muslimische aber sehr multikulturelle Malaysia.
Mit vielen Erwartungen kommen wir also in Indonesiens Hauptstadt an und merken im ersten Moment...gar nichts.
Alles ist eigentlich wie immer hier in Süd Ost Asien. „Same same but different“ wie die Straßenverkäufer immer sagen. Es ist immer noch schwül und heiß und immer noch sind alle voll freundlich. Da macht uns der Umrechnungskurs von ~14 500 Rupiah = 1 Euro schon wesentlich mehr zu schaffen. Sei es drum.
Nach einer kleinen Busfahrt vom Flughafen in die Innenstadt und einer total verrückten Tuk Tuk-Fahrt mit einem lustig lachenden Fahrer der kreuz und quer durch alle Straßen fuhr, kommen wir an unserem Hotel an. Einchecken und erstmal etwas zu essen suchen. Dabei bleiben wir zwei Straßen weiter gleich an einem kleinen vietnamähnlichen Stand hängen.
Drei pfiffige Jungs müssen daheim mit anpacken und sind eben keine Schlaftabletten, sondern richtig schnell und auf dem Sprung. Das weckt unsere Aufmerksamkeit und wir probierens einfach aus.
Trotz fehlender Englischkenntnisse kapieren die drei schnell was wir wollen und zwei Minuten später haben wir was zu essen auf dem Tisch. Und nach noch einer weiteren Minute kommen zwei Straßenmusiker und singen uns ein Ständchen.
Hier sitzt man bei den ganzen Localständen immer mit allen Leuten zusammen an einer Art Bierbank und aufgrund der neugierigen Art der Indonesier ist man eigentlich immer gleich mit irgendwem im Gespräch. Das Interesse kommt so herzlich und aufrichtig, dass wir auch in keinem der Gespräche etwas Böses vermuteten. So ist es für uns auch kein Problem im Dunkeln zwei der Jungs durch kleine dunkle Nebenstraßen zu folgen, nachdem wir gefragt hatten wo wir hier in der Nähe Wasser kaufen können.
Diese Schleichwege werden die nächsten Tag unser Viertel, unsere Block, unsere Straße.
Ja, die Straßen sehen richtig abgefuckt aus und sind dreckig und erinnern wirklich etwas an Myanmar aber was uns hier an Freundlichkeit erwartet haben wir bis jetzt noch nicht erlebt. Und das obwohl wir es bis jetzt in allen Länder super nett und freundlich fanden.

Aber das hier ist nochmal eine Kirsche mehr obendrauf. Aus jeder Ecke kommt ein "Hello Mister" oder "Hello Miss" und wir sind umgeben von neugierigen Menschen die super happy darüber sind, dass sich mal ein Westler in dieses "schäbige" Viertel verirrt. Die Kinder grinsen uns an und versuchen mit uns zu reden. Jeder der ein paar englische Begriffe kennt kommt an und will sich uns mitteilen. Es werden Fotos mit uns gemacht, Kaffee angeboten und Kinder verfolgen uns in Scharen und lächeln noch mehr wenn auch wir mit ihnen ein Bild machen. Und das alles mitten im Nirgendwo in Jakarta, der Hauptstadt des muslimischen Indonesien.
Wir sind absolut überwältigt von der Gastfreundlichkeit hier und das Gefühl ändert sich auch die nächsten drei Tage in Jakarta nicht. Überall hilfsbereite Menschen die uns grüßen und sich mit uns unterhalten. Manchmal sogar so sehr, dass wir kaum Zeit haben uns selbst zu unterhalten, weil wir dauernd erzählen müssen wo wir herkommen und was wir so machen. Generell kann man sagen, alle lieben Fußball und alle finden Deutschland cool und sogar ein " Jörgän Klinnsmän" gerät hier nicht in Vergessenheit. Genauso wie sie "Bawwack" und "Klousey" kennen. Fußballnamen enträtseln wird langsam unser Hobby 😀
Klar wir klappern in Jakarta noch die riesige Moschee, die kolonialgeprägte Altstadt oder das Nationalmonument ab, aber was uns fesselt sind die Menschen, die Herzlichkeit mit der wir umarmt werden und das leckere Essen von Jakartas Straßen.

Ein klassischer Reisetag auf Java

Wir wollen nach Batu Karas. Ein kleines verschlafenes Fischerdorf an der Südküste Javas. Hier gibt es eigentlich nix besonderes außer eines. Beste Wellen für Surferneulinge. Ein super Ort also um als Anfänger wie wir mit easy Wellen schneller Sicherheit auf dem Surfbrett zu lernen. Wenig Touris dazu und schwarzer Sandstrand. Das hört sich doch mal spannend an.
Mit den Erwartungen, dass Reisen in Indonesien in etwa so lang dauert wie in Vietnam, stehen wir also schon früher auf und machen uns um 7 Uhr morgens aus dem Hotel. Soweit so gut. Nach 10 Minuten erreichen wir den ersten Busbahnhof und zack reist nach hunderten von Kilometern mein treuer Crocs Flipflop. Und das ausgerechnet jetzt mit 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Der schnelle Run zur 1 km entfernten Shopping Mall bringt leider auch nichts, da diese erst um 10 Uhr aufmacht. Also reisen wir erstmal zur nächsten Zwischenstation. Ja in so einer 20 Millionen Menschen Stadt dauert es eine Weile bis man auch nur Ansatzweise aus dem Stadtkern rauskommt. Immerhin an der zweiten Station gibt es wieder eine Mall.
Wir entscheiden uns erstmal zu frühstücken und danach neue Flipflops zu suchen. Nochmal eine Stunde später hab ich endlich mit meinen Hobbitfüßen was halbwegs Brauchbares gefunden und es geht weiter zur Busstation.
Nur um völlig überfordert herauszufinden das von hier heute kein Direktbus mehr zu unserem Ziel fährt. Also umdisponieren und die Strecke Step by Step zurücklegen.
Weiter mit dem nächsten Localbus bis zum nächstgrößeren Busterminal. Jetzt dauert alles zwar länger, aber dafür sind wir mal wieder mittendrin statt nur dabei.
In den abgeranzten Bussen kommen alle Nase lang fliegende Verkäufer rein, man kann man sich Wasser oder gebratenen Reis kaufen und fast an jeder Station kommt ein neuer Straßenkünstler während hinten ein anderer aussteigt.
So wird man konstant mit allerlei Gesang und Musik während der Fahrt unterhalten. Ein junger Ukulelespieler weckt dann doch etwas mehr unsere Aufmerksamkeit und nachdem wir sehen, dass er seine Ukulele bestimmt schon hundert Mal zusammengeflickt hat, gucken wir uns nur an, denken beide das Gleiche und am Ende seiner musikalischen Vorstellung schenken wir ihm unsere Ukulele, die seit Beginn der Reise immmerhin schon 18.500 km mit uns gereist ist. Völlig von der Rolle und ganz schüchtern bedankt er sich bei uns und schenkt uns noch sein Arm- und Halsband um seiner Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen. Das nette Mädchen hinter uns in der Reihe hat uns die ganze Zeit beim Übersetzen und Verständigen geholfen.
Der Junge zeigt uns noch den Weg zum nächsten Bus und wir verabschieden uns von den netten Busbekanntschaften.

Und so ging es den ganzen Tag weiter. In Bussen von einem Kaff zum nächsten. Jede Fahrt dauerte länger als die Andere und wir bekommen so langsam Sorgen es am selben Tag nicht mehr bis Batu Karas zu schaffen. Auch wenn uns einige englischsprechende Locals von was anderem überzeugen wollen und uns versichern hier und da gibt es noch Anschlussverbindungen. Es kommt wie es kommen muss und wir kommen um ein Uhr nachts in einer kleinen Ortschaft 100 km vor Batu Karas nicht mehr weiter. Vor Ort nur noch dubiose Taxifahrer die horrente Preise verlangen um uns irgendwo hin zu fahren. Nach der letzten überfüllten Busfahrt im Raucherabteil in dem wir auf einer Holzbank zusammengefercht zwei Stunden lang ausharren durften, haben wir die Schnauze voll und wollen uns von keinem mehr was sagen lassen.
Es fängt an zu nieseln und wir wollen nur noch schlafen.
Nur gut, dass wir uns mobiles Internet zugelegt haben und so gibt uns Google die Auskunft nicht weit weg von einem Hotel zu sein. Wir laufen los, allein im Nirgendwo mitten durch die Nacht ohne Straßenbeleuchtung und durch irgendwelche kleinen Gassen, bis unser Navi sagt, dass wir angekommen sind.
Wir gucken uns um und Pustekuchen. Nur Wohnungen. Dieses sch*** Internet. Selbst auf Google ist nicht mehr Verlass.
Und nun? Wir überlegen dass wir wohl am "Busterminal" zumindest eine Überdachung haben und da auf der Straße schlafen könnten und wollen gerade zurück laufen, als da mitten aus dem nichts eine Fahrradrikscha vorbei kommt.
Zu unserem Glück versteht der Fahrer sogar das wir ein Hotel suchen und so fährt er uns für ein paar Rupiah zum nächsten Hotel. Zu zweit auf der Minirikscha mit all unserem Gepäck. Der Fahrer muss sich echt abstrampeln, der Arme.
Und tatsächlich da kommt ein Hotel. Sauber genug für eine Nacht, sind wir happy was zum Schlafen gefunden zu haben und fallen uns Bett. Was ein Tag.
Am nächsten Tag brauchen wir für die letzten 100 km nur noch weitere 4 Stunden, in drei verschiedenen Bussen und mit einer Rollerfahrt über Stock und Stein und abgefahrene Bambusbrücken. Als wir mittags ankommen, sind wir fertig aber mal wieder eine verrückte Reiseerfahrung reicher.

Batu Karas

Und so chillen wir hier erstmal in Lonely Planets so genanntem Geheimtipp. Nur um schnell zu merken, dass der so geheim gar nicht ist, sondern ein mega Ausflugsort für Einheimische am Wochenende. Die Preise haben sich seit Veröffentlichung des Reiseführers auch mehr als verdoppelt und bei Surfausleihe und Transport haben die Einheimischen gemerkt, dass sie dank mangelnder Alternativen verlangen können so viel sie wollen.
So chillen wir hier ein paar Tage und gehen auch mal surfen als etwas weniger los ist an dem kleinen Strand. Generell kommen wir uns jedoch vor als ob man uns die ganze Zeit melken will. Immerhin hat die Region auch noch andere Aktivitäten zu bieten. So unternehmen wir eine kleine Fahrt ins Umland und machen eine Canyoningtour durch Greenvalley, bei der man sich von den Stromschnellen treiben lassen kann, von einer 13m hohen Klippe ins kühle Nass springt und in eine Wasserhöhle hinein schwimmen kann. Die perfekte Erfrischung bei den heißen Temperaturen.
Auch sonst ist die Umgebung unglaublich schön. Umgeben von Sekundärwald und sattem Grün überqueren wir Flüsse und können die Einheimischen bei der Reisernte beobachten. Um den Reis trocknen zu können werden hier alle Flächen benutzt die zur Verfügung stehen. So wird der Fußballplatz, der heimische Garten oder wenn Platzmangel ist, einfach die Hauptstraße benutzt um den Reis zu trocknen.
Ansonsten kann man entlang der schwarzen Sandstrände spazieren und sehen wie die Fischer abends mit ihren Booten zurück an Land kommen.
Nach fünf Tagen verlassen wir die schöne Szenerie wieder aber leider mit einem komischen Beigeschmack. Zum einen wurden wir beim Buchen des Zugtickets abgezockt und generell gibt uns die kleine Gemeinde das Gefühl, alle haben sich abgesprochen und man kann gar nichts organisieren ohne viel zu viel Komision zu zahlen.

Yogyakarta

Weiter geht’s nach Yogyakarta! Javas Kunsthauptstadt. Wir haben uns dazu entschieden mit dem Zug herzukommen und wider unserer schlimmsten Erwartungen ist die Holzklasse hier in Indonesien eigentlich richtig komfortabel. Es gibt Klimaanlage, es ist nicht zu überfüllt und regelmäßig kommt einer vorbei und man kann sich mit Suppe und Kaffee versorgen. Das Yogyakarta für die Indonesier selbst ein absolutes Reiseziel ist, merkt man spätestens sobald man sich auf die Straße wagt und nichts anderes außer Fahrradrikschas und Kutschen sieht, die alle Touris durch die Gegend fahren. Bedeutet eben auch alle zwei Sekunden von einem Fahrer angesprochen zu werden, die ihr Verkaufsgespräch in jeder erdenklichen Sprache können. Nachdem wir schon die ganze Zeit auf Deutsch angelabert werden, dachten wir vielleicht haben wir mit Polnisch unsere Ruhe. Weit gefehlt, als uns der nächste anspricht und fragt wo wir herkommen und Kaja sagt aus Polen kam direkt ein „Jak sie masz?“. Kaum zu glauben 😀
Neben ein paar Kunstgalerien, in denen wir am Schluss auch zwei Batikbilder kaufen, gibt es unweit von Yogyakarta zwei Tempel, die natürlich zum „Must-have-seen“ der Region gehören.
Wir entscheiden uns zumindest zu einem zu fahren. Der Borobudur Tempel ist der größte buddhistische Tempel der Welt und ist mit Unmengen Steinreliefs und Buddha Figuren verziert. Die böse Überraschung kam an der Kasse als wir erfuhren, dass der Eintritt für Ausländer gleich mal das 10 fache kostet (16 Euro!!). Aber jetzt wo wir schon 30km mit dem Roller hingefahren sind gehen wir auch rein.
Großzügigerweise bekommen wir für den happigen Eintritt eine kleine FlascheWasser dazu. Wenn das die 15 Euro mal nicht wert war.
Wir laufen durch die gepflegte Parkanlage und stehen dann vor einem..naja.. Steinhaufen 😀
Das ist also der großartige Tempel? Wir müssen lachen und kapieren das der Besuch mal ein richtiger Reinfall ist. Immerhin gibt es drei indonesische Schüler die sich anbieten kostenlos unser Guide zu sein um für die Schule zu üben. So erfahren wir doch noch einiges über die verschiedenen Stufen des Tempels und die Geschichte welche die 2500 Flachreliefs erzählen. Also nur ein halber Griff ins Klo.
Völlig erschlagen von der runterknallenden Mittagssonne dürfen wir noch mit gefühlt 100 anderen Indonesiern Selfies machen, da ein Bild vom Borobudur Tempel mit zwei Weißen drauf einem daheim anscheinend noch mehr Ansehen bringt.
Nachdem Fotoshooting mit allen Anwesenden auf dem Tempel suchen wir dann aber auch wieder das weite und sind uns sicher, dass das wohl der letzte Tempel unserer Asienreise sein wird.
Denn in Indonesien warten weit aus spannendere Sachen auf uns und wir planen schon mal welche der 150 Vulkane wir uns in Indonesien ansehen wollen. Dabei liegen zwei schon direkt auf dem Weg nach Bali.

Unsere Reiseausgaben in Indonesien findet ihr hier

Infos über Indonesien:

- Indonesien ist das viertbevölkerungsreichste Land der Welt mit 240 Millionen Einwohnern
- über 17.000 Inseln gehören zu Indonesien
- Indonesien zählt zu den größten Regenwaldgebieten der Welt
- aber es werden jährlich zwei Millionen Hektar Regenwald für Palmölplantagen gerodet
- Indonesien beheimatet 360 verschiedene ethnische Völker mit über 700 verschiedenen Sprachen
- Indonesien hat die jüngste Bevölkerung weltweit: 165 Millionen Menschen sind jünger als 30

Was uns echt umgehauen hat:

- Die Freundlichkeit des muslimischen Landes sucht seines Gleichen und ist ansteckend 🙂
- es gibt über 150 Vulkane in Indonesien, 127 davon sind aktiv
- die größte Echse der Welt, der Komodowaran mit 70kg Gewicht und bis zu 3m Länge lebt nur hier in Indonesien auf den Inseln in der Nähe von Flores

Was ein Griff ins Klo war:

- von A nach B kommen dauert hier einfach unendlich lang
- Reisebüros in Batu Karas wollen einen nur Abzocken
- Surfen sieht leichter aus als es ist
- nach unzähligen besichtigten Tempeln hat uns der Borobudur leider nur wenig beeindruckt

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