Unterwasserwelt erobern

Tauchschein machen auf Koh Tao

Langsam werden wir zu Beachaholics und nach der ersten Sonnenbräune wird es jetzt wieder sportlicher. Wer in Süd-Ost-Asien unterwegs ist und seinen Tauchschein machen will, der wird an Koh Tao nicht vorbeikommmen. Die mittlerweile 60! Tauchschulen auf der kleinen Insel machen das Tauchen für uns richtig preiswert. Der Kampf um Preis und Qualität ermöglichen hier einen excellente Ausbildung für wenig Geld. Dafür fällt die Auswahl einer Tauchschule umso schwerer. Auch nach dem Durchwühlen von Foren und Tripadvisor Empfehlungen ist es am Schluss eine Bauchentscheidung. Wir haben uns für Scuba Shack entschieden. Sauberer Internetauftritt, kleine Tauchschule, kleine Tauchgruppen und eine gute Unterkunft inklusive bei einem tollen Preis haben überzeugt.

Koh Tao

Wir kommen in Koh Tao mit der Fähre an und erleben zum ersten Mal einen Full Moon Run. So nennen die Tauchschulen hier die Zeit direkt nach den Fullmoonparties auf Koh Phangan. Eine Großteil der Feierwütigen entscheiden sich nach dem Feiern dazu noch schnell mal tauchen zu gehen oder auf der kleinen Insel wieder zur Ruhe zu kommen. Der Pier ist gerammelt voll von Taxis, Hotelanbieter und Tauchschulen die um Kunden werben. Nur gut das im Vorfeld schon alles mit Stefan, dem Leiter unserer ausgewählten Tauchschule, abgesprochen ist. Wir werden mit einem Pick-Up und Namensschild abgeholt und umgehen das lästige Chaos am Ankunftsort. An der Tauchschule angekommen ist aber auch hier die Hölle los.
Trotz des ganzen Trubels lässt es sich Stefan nicht nehmen mit uns alles durchzusprechen und klärt uns über den Fullmoonrun auf, den wir gerade live miterleben. Stefan, der sich mit seinem schwäbischen Dialekt so rührend um uns kümmert, lebt gefühlt schon sein halbes Leben hier auf der kleinen Insel und hat Frau und Kind in der Tauchschule dabei. Das ganze hinterlässt einen sehr familiären Eindruck, auch die Tauchlehrer scheinen sich ganz gut zu kennen und machen Witze untereinander, man fühlt sich willkommen. Wir werden in einem der Bungalows 30 m vom Strand und 100 m neben der Tauchschule untergebracht und haben erstmal frei.
Mein Open Water Diver Kurs beginnt bereits abends mit ein paar Theoriestunden. Bzw. Theorie-videos angucken.
Die nächsten 3 Tage gibt es jetzt volles Programm. Kaja macht ihren Scuba Refresher und wiederholt alles erlernte und ich sitze morgens in der Theorie und nachmittags geht es direkt aufs Boot und raus aufs Meer. Insgesamt gibt es drei Anfängergruppen. Wir lernen uns nach und nach alle kennen und es stellt sich raus, dass wir ein super lustiger Multikultimix aus der ganzen Welt sind. Valery, der Tauchlehrer, weiß auch wann er Scherze machen kann und wann es Ernst ist.
So machen auch alle Übungstauchgänge Spaß und meistens bleibt nach den Übungen noch etwas Zeit ein bisschen die Umgebung am Tauchspot zu erforschen. Abends sitzen wir meist alle zusammen noch bei ein paar Bierchen oder zum Abendessen zusammen und so vergehen die Tage wie im Fluge.

Kaja hat für ihren Refresher Kurs zufälligerweise sogar einen polnischen Tauchlehrer bekommen, der unter Wasser auch die nötige Gelassenheit zeigt um alles in Ruhe zu wiederholen und die nötige Sicherheit zu kriegen.

Viele sagen ja, dass die Tauchspots über die Jahre rapide schlechter geworden sind, aber wenn man noch nicht so viel Taucherfahrung hat wie wir, sind die Tauchspots zum Einstieg einfach super. Die Theorie wird hier schon ganz schön schnell durchgekaut, aber auch auf dem Boot und zwischendrin wenn man Fragen hat wird immer wieder alles wiederholt. Die Prüfung am Ende ist mehr Formsache und Gruppenarbeit als das hier wirklich jemand durchfallen könnte, aber dennoch hat jeder dafür gelernt und hätte es wohl auch so geschafft.

Am letzten Tag macht Kaja zwei Fundives und wir können es so kombinieren, dass wir in der selben Gruppe tauchen. Einer in unserer Gruppe, der Franzose, hat Probleme beim Druckausgleich und kann nicht mit tauchen. So kommt es das Kaja und ich sogar Tauchbuddies am letzten Tag sind. Heute ist auch extra ein Kameramann dabei und jetzt haben wir sogar ein tolles Video auf dem wir gemeinsam tauchen.
Der erhoffte Kontakt mit Walhaien blieb leider aus, aber dafür gabs Meeresschlangen, Krabben, Giant Groopers, Triggerfische (der der im Video in die Flossen beißt), Anemonenfische, Barracudaschwärme und bunte Korallenriffs zu erkunden.


Der Kurs ist bestanden und wir sind jetzt beide lizensierte Open Water Diver. Kaja wars ja schon vorher. Aber jetzt fühlt sie sich auch nochmal sicherer und hat umso mehr Spaß beim Tauchen, was ihr die Schule in Deutschland schon fast versaut hätte. Seit Wochen rede ich ja auf sie ein mit mir den Advanced Kurs zu machen, aber die Angst vor einem Tauchgang bis zu 30m Tiefe lässt sich so leicht nicht auflösen. Erst als Stefan ihr gut zu redet und die Option gibt auch noch kurz vorm Tauchgang zu stoppen ist sie überzeugt.

Nach dem Open Water Diver Kurs gabs erstmal zwei Tage Pause. In der Zeit haben vier andere aus der alten Gruppe ihren Advanced Kurs sogar schon absolviert. Gut das wir Zeit haben und uns nicht stressen müssen. Mittlerweile ist es auch auf der Insel richtig ruhig geworden.
War in den ersten Tagen der Strand rappel voll, nachts Party und Musik und alle am feiern, merkt man das die Partyleute schon wieder das Weite gesucht haben und die Insel wird mehr und mehr ruhiger und verträumter. Traumhafte Sonnenuntergänge und wunderschöne Aussichtspunkte erkunden wir an unseren Ruhetagen bei einer Tour um die Insel.

Beim Advanced Open Water Kurs gibts keine Theorieprüfung sondern nur fünf Tauchgänge. In den Büchern blättern wir abends vor dem Tauchgang, beantworten die Testfragen und am nächsten Tag bevor es ins Wasser geht, gehen wir die Theorie nochmal durch. Am ersten Tag gibts einen Tauchgang zur Unterwassernavigation und einen weiteren bei dem man das Tarieren( also die Balance im Wasser zwischen Auf-und Abtrieb und Lage im Wasser) noch weiter verbessert. Das gibt mehr Sicherheit und Kontrolle beim tauchen, die Übungen machen Spaß und man verbraucht am Ende auch immer weniger Sauerstoff, wodurch man immer länger unter Wasser bleiben kann. Zudem sind wir die einzigen im Kurs und haben sozusagen einen privaten Tauchlehrer.

Noch einmal spannend wird es jetzt am letzten Tauchtag. Kaja ist aufgeregt vorm Tieftauchen und ich auch, besonders weil es danach beim zweiten Tauchgang zum Wracktauchen geht.
Ein letztes Mal alles durchgesprochen machen wir daraufhin unsere Ausrüstung fertig und nach dem Buddycheck gehts ab ins Wasser. Wir tauchen tiefer und tiefer, sehen anhand einer Farbtafel ab welcher Tiefe welche Farben verschwinden und bekommen unten angekommen ein kleines Mathequiz um zu sehen ob bei uns der Tiefenrausch vielleicht schon eingesetzt hat. Keine Spur davon, uns geht es super und wir sind schon 28 m unter dem Meeresspiegel. Spätestens jetzt hat auch Kaja all ihre Sorgen verloren und genießt den erstklassigen Tauchgang.

Beim zweiten Tauchspot gehts zum Wrack auf 27m Tiefe. Beim Wracktauchen ist die Sicht oft nicht die Beste und wir wurden schon davor gewarnt, dass wir evtl keine 5 m Sichtweite haben. Aber nicht heute. Da eh schon alles so super läuft haben wir gute 20 m Sicht, können alles vom Schiff erkennen und tauchen sogar durch die Brücke hindurch. Darf man eigentlich nicht aber beim kurzen Durchtauchen kann eigentlich nix passieren. Waren ja nur 2 Meter. Spannend und auch gruselig so ein Boot unter Wasser. Das wird bestimmt nicht unser letztes Wracktauchen sein:)
Super happy tauchen wir nach dem Wrack weiter zum nächsten Tauchspot um die Ecke und erkunden noch weiter Koh Taos Unterwasserlandschaft.

Am Mittag sind wir wieder zurück und haben ein paar Stunden Zeit um uns auszuruhen, denn der Tag ist noch lange nicht zu Ende. Zur Dämmerung gehts gleich wieder raus und wir machen unseren ersten Nachttauchgang. Auch hier gibt es wieder viel zu beachten und mit der Tauchlampe werden auch alle Zeichen unter Wasser etwas anders gezeigt. Dafür gehen wir bei dem Tauchgang aber nicht unter 10m und wir sind auch nicht die Einzigen die unterwegs sind.

Bei Nacht sieht alles ganz anders aus. Umhüllt von Dunkelheit fällt es einem erst schwerer sich zu orientieren und die Aufregung steigt. Auch der Sprung ins dunkle Nass kostet einiges an Überwindung. Ist man aber erstmal ein paar Minuten unter Wasser sieht das schon wieder ganz anders aus. Alles leuchtet in einem anderen Licht, Nachttiere kommen zum Vorschein und das Highlight ist das fluoreszierende Plankton das anfängt zu leuchten, wenn man sich unter Wasser bewegt. So macht auch der 3 Minuten Safety Stop auf 5 Metern einen Heidenspaß und alle fuchteln wie wild herum um das Plankton zu aktivieren.
Wir sind absolut süchtig geworden und können kaum abwarten wieder tauchen zu gehen.

Koh Phangan

Weit haben wir es nicht geschafft. Die nächste Insel ist nur ein paar Kilometer entfernt und ist die Location für alle, die mit Neonfarben bemalt den Mond anjubeln wollen.
Hier in Koh Phangan kommen jeden Monat mehrere tausende Partypeople um zum Vollmond zu tanzen.
Wir sind Gott sei Dank nicht zu der Zeit da. Ein Strandabschnitt an dem sich zu Vollmond bis zu 60.000 feiernde Teenies treffen um aus Eimern zu saufen und Drogen zu nehmen. Nein Danke.
In unserem stylischen Bungalow mit Freiluftbadezimmer überlegen wir lieber wo wir das nächste Mal tauchen können.

Auf Empfehlung machen wir uns dann doch zu einer Party auf, bei der es zum "Lost Paradise" geht. Ein Strand der auf normalen Weg nicht erreichbar ist und eine Party, die nur zwei bis drei mal im Jahr statt findet und auch kaum einer kennt. Wir sind begeistert und machen uns auf den Weg. Mal wieder ein Höllentrip bis wir ankommen, aber wir werden belohnt. Ein traumhafter Strand, eine Party mit cooler Musik und nur ein paar hundert Leute, super Wetter und angenehme Temperaturen machen den Abend zu etwas ganz Besonderem. Als wir zum Ende hin noch mit einem Sonnenaufgang belohnt werden, den wir in so einer Farbvielfalt und Verspieltheit durch die ständig wechselnden Wolkenkonstellationen noch nie gesehen haben. Wir sind voll happy und froh, besonders aber auch da sich nun endlich genug Leute entschließen heim zu gehen, denn nur mit einer Mindestanzahl an Leuten kann man die Party auf dem ungemütlichen Weg wieder verlassen.

Die nächsten Tage touren wir um die Insel, chillen und gehen wieder tauchen. Zwei Tauchgänge am Sail Rock. Eine Art rießiger Fels im Wasser in den man sogar hineintauchen kann und oben wie durch einen Kamin wieder herauskommt. Der Hammer! Im Paket dabei ist noch ein Fluo Night Dive. Also ein Nachttauchgang bei dem mit UV-Licht das Korallenriff bestrahlt wird und dadurch noch einmal ganz anders zum Vorschein kommt. Der Tauchgang ist leider nur bei 3-6 Meter Tiefe und die Sicht nicht die Beste, aber an sich war es eine spannende Erfahrung.
Als wir am nächsten Tag die Kitesurfer gesehen haben, waren wir uns aber auch nicht mehr so sicher, ob wir nicht doch lieber einen Tag über dem Wasser hätten verbringen sollen.

Bis Malaysia machen wir jetzt erstmal Tauchpause und werden uns auch die nächste Zeit etwas zurücknehmen müssen um wieder auf eine positive Bilanz zu kommen. Die Unterwasserwelt zu erkunden ist ja nicht gerade das günstigste Hobby. Aber Sparen auf einer Langzeitreise ist eigentlich ganz easy. Das geht nämlich einfach mit Nichtstun.
Einfach am Strand liegen und braun werden und nach ein zwei Wochen haben wir genug Kohle gespart um wieder ein paar Tauchgänge zu absolvieren.

Wir sind dann mal ne Runde sparen, bis bald!

Unsere Reiseausgaben in Südthailand findet ihr hier

Interessantes übers Tauchen

- Apnoetauchen gibt es seit über 6000 Jahren
- Leonardo da Vinci hat vor 500 Jahren schon einen Tauchanzug entwickelt
- pro 10 m Wassertiefe erhöht sich der Druck auf den Körper um 1 bar
- nach jedem Tauchgang wird ein Safety Stop auf 5m Höhe eingelegt um eine mögliche Dekompressionskrankheit zu verhindern
- ab 30 m Tiefe kann man in den Tiefenrausch kommen (wie betrunken unter Wasser)
- PADI hat rund 1.000.000 Brevertierungen pro Jahr, insgesamt wurden seit Gründung schon über 12 Millionen Taucher ausgebildet, rund um die Welt gibt es über 6200 PADI Tauchbasen

Aufregend fanden wir:

- Nachttauchen und fluoreszierendes Plankton
- Wracktauchen an einem 50 m langen Marinewrack
- die Übungen zur Tarierungskontrolle beim AOWD

Cooles:

- dreidimensional unter Wasser bewegen, wie in der Schwerelosigkeit
- super coole Leute in den Tauchgruppen und tolles Team der Tauchschule
- Bungalow direkt am Strand, chillige Restaurants und jedes Abendessen mit Sonnenuntergang und Füßen im Sand
Nerviges:

- Menschenmassen beim Fullmoonrun
- Partyleute, die vor dem Bungalow rumgröhlen anstatt am Strand zu feiern, besonders wenn man am nächsten Tag um 5:30 Uhr morgens tauchen geht

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