Tauchen in Sipadan

Tauchen in Sipadan

Unsere Letzte Station in Malaysia und einer unserer Reisehöhepunkte wartet hier ganz im Westen von Borneo auf uns. Mal wieder fliegen wir lästigerweise über Kota Kinabalu und verbringen, mal wieder, den halben Tag am Flughafen bevor es weiter geht. Wir kommen in Tawau an, welches der nächstgelegene Flughafen zu unserem Ziel ist. Erfreulicher Nebeneffekt ist das hier ansässige indonesische Konsulat, das ohne gebuchten Rausflug aus Indonesien uns innerhalb einer Stunde ein 60 Tage Visum für unser nächstes Land ausstellt. Sich ein 60 Tage Visum zu holen bedeutet überall sonst erheblich mehr Aufwand und Kosten und so haben wir das in einem Wisch, ohne viel Stress direkt erledigt und können entspannt weiter nach Semporna reisen.

Die kleine hässliche und stinkende Hafenstadt ist nämlich der Ausgangspunkt für einen der besten Tauchspots der Welt.

Sipadan Island!

Gehörten die Gewässer früher noch zu Indonesien wurde nach langen Streitereien entschieden, Sipadan sowie die kleine Inselgruppe drumherum Malaysia zuzusprechen. Malaysia hat daraufhin die Insel Sipadan zu einem Marine Nationalpark erklärt und alle vorhandenen Unterkünfte auf der Insel entfernt. Zusätzlich wurde nach einigen Jahren die Zahl der Taucher auf 120 pro Tag begrenzt, da das Riff kurz davor war völlig kaputt zu gehen. Das hat allem hier sehr gut getan, so bleibt das Riff und der Tauchspot auch erhalten.

Natürlich bringt das den Nebeneffekt mit sich, dass die Tauchgänge nach Sipadan über Monate im voraus schon ausgebucht sind. Es gibt ca. 12 Tauchbasen hier in Semporna und somit bekommt jede Tauchbasis Lizenzen für 10 Taucher am Tag. Fast verzweifelt laufen wir von Tauchschule zu Tauchschule und hoffen auf Stornierungen oder übrig gebliebene Lizenzen. Doch es sieht schlecht aus.
Unser Traum auf einer alten Bohrinsel zu wohnen mit einem Riff unter der Bohrinsel und von dort aus nach Sipadan tauchen zu gehen scheitert am Ende auch anhand der großen Preisdifferenz zu anderen Anbietern. Ausgefallene Sachen sind eben meist teurer. Am Ende finden wir einen alten Hasen im Tauchbusiness. Diesmal kein Deutscher aber ein ausgewanderter Österreicher, der hier schon seit 20 Jahren seine Tauchschule pflegt, hat noch Lizenzen frei und das Dreitagespaket ist sogar günstiger als alle anderen Varianten.
Generell werden hier immer Pakete verkauft, mit denen man 3 Tage mit der selben Tauchschule tauchen geht und dafür einen Tag tauchen auf Sipadan garantiert bekommt. Aber selbst bei diesen Paketen sind die Plätze meist Monate im voraus schon ausgebucht. Wir haben Glück und schlagen direkt zu. Sind uns auf der Suche doch auch genügend andere spontane tauchgeile Reisende entgegen gekommen, die das selbe Ziel wie wir haben. Gesagt getan soll es am nächsten Tag los gehen.

Und gesagt getan müssen wir am nächsten Tag direkt alles nach hinten schieben. Kaja hat eine verstopfte Nase. Etwas was bei keiner anderen Sportart von Bedeutung ist, ist beim Tauchen eine absolute Katastrophe!
Die Nebenhöhlen und Nasengänge müssen frei sein um einen richtigen Druckausgleich machen zu können. Funktioniert das nicht oder nur auf halben Weg, also z.B. nur beim Abtauchen kann das böse gesundheitliche Folgen mit sich führen.
Daher gibts für Kaja noch einen Tag Zwangspause. Als es dann am daurauffolgenden Tag zum Tauchen geht ist die Nase immer noch nicht ganz offen und sie kann nur schlecht den Druckausgleich machen, sodass sie den dritten Tauchgang des Tages sogar abbrechen muss. Abends im Hotelzimmer macht sich Verzweiflung breit, da morgen die drei legendären Sipadantauchgänge anstehen! Am morgen zweifelt sie immer noch ob es gehen wird, doch da kommt unser Instructor und gibt Kaja etwas "malaysische Medizin" woraufhin sich der Schnupfen verzogen hat und bis jetzt nicht wieder gekommen ist. Wer weiß was da drin war 😀 Egal denn so sind wir endlich startklar für einen Tauchgang der extra Klasse.

Gab es den Tag zuvor auf Sibuan das Microleben des Riffs (Minischnecken und so) zu bewundern geht es jetzt an die großen Sachen. Schon vom Boot aus erkennen wir hier und da Schildkröten und können es kaum erwarten abzutauchen. Und die Bemühungen hier tauchen zu können haben sich sowas von gelohnt. Das Korallenriff erblüht in allen Farben und Formen und überall erblicken wir Schildkröten.

So lange haben wir darauf gewartet diese einzigartigen Tiere unter Wasser zu bestaunen und jetzt tauchen wir mit ihnen. An Land langsam und träge sind sie super flink und geschickt im Wasser. Mit dem stromlinienförmigen Panzer gleiten diese riesigen Tiere zauberhaft durch die Weltmeere. Und hier sind so viele! Aus jeder Ecke kommen sie oder liegen auf den Korallen und chillen oder essen. Einige kommen so nah als ob sie extra vor uns fürs Video posieren wollen.
Wir sehen rießige Fischschwärme, die sich an der Wasseroberfläche tummeln, ein Meer von Korallen, das in allen Farben aufleuchtet. Überall Leben, wo man auch hinsieht. Schwärme kleiner Minifische, tausende von verschiedene Arten, Formen und Größen. Von wenigen Milimeter kleinem Getier bis hin zu riesigen Barschen mit 1,5m Länge und 2m langen Riffhaien (vor denen wir doch ein wenig Schiss haben) sehen wir alles.
Und alles lebt im Einklang und im Gleichgewicht hier zusammen. Man kann sehen wie sich Fische streiten und lieben und es ist ein bisschen wie beim Film "Findet Nemo" und man könnte Stunden damit verbringen hier einfach nur an einer Stelle zu bleiben und das Leben zu beobachten. Wir sind hin und weg und glauben kaum das nochmal überboten zu bekommen.

Aber was ist besser als einen Tag auf Sipadan tauchen zu dürfen??

ZWEI Tage auf Sipadan tauchen!! 😀

Da kommt es zurück, das Karma. Muss man doch sagen das wir auf unserer langen Reise doch ein stärkeres Umweltbewusstsein entwickeln und uns unser ökologischer Fußabdruck, den wir hinterlassen sehr viel wert ist, so haben wir auch durch das Reisen in vielen buddhistischen Ländern einen guten Schlag Spiritualität abbekommen.
Am Ende ist doch alles ein Kreislauf und wenn wir an der einen Stelle ehrlich und aufrichtig handeln oder an der Anderen nett und hilfsbereit sind, bekommen wir es auf irgendeine andere Weise wieder zurück.
Und da sind wir hier und bekommen früh morgens gesagt, dass wir einen weiteren Tag auf Sipadan tauchen dürfen! Ohne Aufpreis einfach so, weil noch zwei Plätze frei geworden sind. Es ist ja nicht so das 15 andere Taucher hier auch gerne den Platz hätten oder man die Lizenzen auch an andere Tauchschulen teuer weiterverkaufen könnte.

So wurden wir ausgewählt und denken uns DAS ist Karma!!
Wir sind überglücklich und erleben einen weiteren Tag die traumhafte Unterwasserwelt mit all ihren wunderbaren Einwohnern.


So völlig überwältigt kommen wir zurück ins Hotel und würden am liebsten noch länger hier bleiben aber unser Budget sagt nein und wir habens eh schon deutlich überzogen und der Flieger ist auch ohnehin schon gebucht.
Am Abreisetag verabschiedet sich uns Semporna auf seine eigene Art und Weise. Diese kleine Hafenstadt lässt einem nochmal viele Einblicke in das kulturelle Leben der Malaien. Abends kommen die Fischer und verkaufen ihre Tagesfänge.
Kinder fangen schon im kleinsten Alter an zu helfen um die Eltern beim Verkauf zu unterstützen. Die Verkaufsstraße ist gemischt von allerlei Fisch, Obst und Gemüse, im Hintergrund Müll und Abfälle.
Geruchsintensiv wird es besonders durch die nichtverkauften Reste, die die Straße entlang herumliegen und tagsüber bei guten 30 Grad dann tolle Düfte verbreiten. Das scheint hier aber auch nur die Touristen zu stören.

Kein Wunder, dass sich Kinder in anderen Ländern so sehr freuen zur Schule zu gehen, denn das normale Leben bei ihnen ist eben doch nicht nur Spielen im eigenen Kinderzimmer wie bei uns. Vielleicht sind die paar Stunden Schule am Tag die einzige Zeit in der sie Kinder sein dürfen. Wir wissen es nicht.

Vorbei an der Straße mit all diesen Eindrücken laufen uns mitten auf der Straße noch drei riesige Warane entgegen was hier wohl keine Seltenheit ist. Da Warane Aasfresser sind, finden sie hier bestimmt reichlich auf den Straßen zu fressen. Wir verabschieden uns von Malaysia auch wenn wir in den 42 Tagen noch lang nicht alles gesehen haben was wir sehen wollten. Da muss wohl früher oder später ein Wiedersehen her!!

Unsere Reiseausgaben in Malaysia und Singapur findet ihr hier

Interessantes über Sipadan Island

- Terrotoritalstreit bis 2002 zwischen Indonesien und Malaysia
- IGH Den Haag hat Sipadan Malaysia zugesprochen
- international bekannt seit 2000 durch Entführung von 22 Touristen in die Philippinen
- seit 2004 gibt es kein Resort mehr auf Sipadan und die Insel ist außer für die Oberflächenpausen beim Tauchen gesperrt
- seit 2008 dürfen nur noch 120 Taucher am Tag nach Sipadan kommen
- Großfischbegegnungen garantiert: Schildkröten, Riffhaie, Barraccudas, Mantas, Papagaienfische, Walhaie

Aufregend:

- mit riesigen Schildkröten tauchen
- Haie unter Wasser sehen
- am Hangriff tauchen wo es unter dir 600m in die Tiefe geht
- Instructor und Divemaster mahnen und maßregeln unvorsichtige und eigensinnige Taucher

bitte nicht mehr:

- mit komischen Chinesen tauchen, die wirklich jedes Tier unter Wasser erschrecken und verscheuchen
- mit Leuten tauchen die sich generell nicht an Regeln halten
- jeden Tag zwei Stunden auf dem Boot bis zum Tauchriff fahren müssen

2 Antworten

  1. Hallo, Mich würde fürchterlich interessieren mit welcher tauchschule ihr genau getaucht seid. Ich versuche auch etwas für Februar nächstes Jahr zu buchen, allerdings ist das Budget auch nicht so unwichtig und das ist sehr schwierig bei sipadan Liebe Grüße
    • Hi Luisa, wir sind damals vor Ort sämtliche Tauchschulen abgelaufen und haben Preise verglichen. Bzw. zuerst geschaut bei welcher Tauchschule wir überhaupt spontan auf Sipadan tauchen können. Gelandet sind wir Sipadan Scuba (sipadanscuba.com), das ist genau gegenüber vom Holiday Dive Inn und dort bekommt man im Preis enthalten dann auch ein Zimmer. Also wir haben nicht auf einer der Inseln genächtigt sondern sind jeden morgen von Semporna aus mit dem Boot raus gefahren. Ich hab gerade noch einmal nachgeschaut, wir haben zu zweit mit Übernachtung und Mittagessen 3375 MYR für 3 Tage tauchen gezahlt. Das waren damals 767€ also grob 380€ pro Person. Dafür mit der Garantie mindestens einen Tag auf Sipadan zu tauchen und am Schluss waren es ja sogar 2 Tage. Die Tauchschule selbst war super, der Besitzer ein Schweizer und alle waren Jungs da waren sehr erfahrene Taucher. Fand es auch super, dass auch sehr darauf geachtet wurde die Natur zu schützen und die Jungs hätten auch keine Scheu gehabt jemand vom Tauchgang auszuschließen wenn er sich nicht daran hält. Nicht der Regelfall bei der Menge an schlechttauchender Chinesen vor Ort (keine Ahnung wo die ihren Tauchschein gemacht haben :D ). Hoffe das konnte dir bei der Planung etwas helfen. Viel Spaß beim tauchen und genieß die Zeit:) Hätten wir nochmal die Möglichkeit würden wir aber denke ich auf der Bohrinsel übernachten (Seaventures Tauchresort), da waren damals leider keine Plätze frei und alles auch etwas teurer. Aber ist denke ich schon ein Onceinalifetime Erlebnis Beste Grüße Henning

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