Myanmar, Burma, Birma

Myanmar

Nach acht Stunden Busfahrt und Grenzüberquerung begrüßt uns Myanmar auf seine ganz eigene Art und Weise. Das Land das erst seit 2011 so richtig die Tore für den Tourismus geöffnet hat und seit dem stetig im Wandel ist. Alles was man über dieses Land liest ist im nächstem Moment schon wieder Schnee von gestern. Gab es anscheinend vor zwei Jahren noch keine Geldautomaten und kaum Internet, stehen mittlerweile an jeder Ecke ein ATM und jedes Guesthouse hat kostenloses WLAN (super lahm aber immerhin).
Die Strecke vom Grenzort Myawaddy nach Hpa-An war vor einigen Jahren aufgrund von Unruhen noch gesperrt und anscheinend ein halbes Jahr vor uns nur abwechselnd jeden zweiten Tag in eine Richtung befahrbar.
Da in der Vergangenheit fast alle großen Baumaßnahmen wie Flughäfen und Autobahnen durch Zwangsarbeit umgesetzt wurden, sind wir schon hier am Grübeln wie sehr sich die Lage seit dem Regierungswechsel verbessert hat.

Wir kommen abends um 19 Uhr in Myawaddy an und wollten eigentlich erst am nächsten Tag weiter nach Hpa-An reisen als unser Transportabenteuer so richtig seinen Lauf nimmt. Drei Mitreisende, die ohne irgendeinen Plan nach Myanmar gefahren sind, bekommen Wind, dass wir uns schon im vorab ein paar Informationen eingeholt haben und hängen sich spontan an uns. Wir handeln mit ein paar Burmesen aus, uns am nächsten Morgen nach Hpa-An zu fahren und können die Jungs überreden uns zu einem Hotel in der Nähe zu bringen. Die anderen drei (ein Belgier, eine Schweizerin und eine Vietnamesin) natürlich im Schlepptau. Aber Pustekuchen! Nach dem das dritte Hotel ausgebucht ist überreden uns die Jungs noch jetzt loszufahren, da es wohl eine neue Straße gibt und die Fahrt nur noch 4 Stunden dauern soll.
Spontan denken wir uns "OK" dann sind wir vor 12 nachts in Hpa-An und haben dafür am nächsten Tag keinen Reisestress. Klingt super und wir fahren los!

Mit dabei sind drei Burmesen, also sitzen wir zu acht in einem Pick-Up, mit all dem Reisegepäck also fünf Backpacks plus Tagesrucksäcke. Ein Huhn in der Massentierhaltung hat sicherlich mehr Platz als wir jetzt. Nach 2 Stunden machen wir einen kurzen Halt an einer Art "Raststätte". Hier gibts unser erstes burmesisches Essen. Wir haben keine Ahnung was es ist, aber bekommen allerlei aufserviert. Der Belgier und die Schweizerin haben zuviel Angst sich was einzufangen und essen nur Reis ohne alles! Zugegeben es sieht hier nicht gerade sehr sauber aus, aber schmecken tuts. Chön charf!
Wir fahren weiter und nach ca. einer halben Stunde werden wir langsamer und langsamer bis wir schließlich stehen bleiben. Vielleicht ein Stau? Zwei der Burmesen steigen aus und erkundigen sich was Sache ist. Aufgrund der nur sehr rudimentären Englischkenntnisse erfahren wir etwas von Straßensperrung bis 2 Uhr nachts. Scheinbar gibt es hier und da wohl doch noch Unruhen und Aufstände.

Na Klasse. Wir sind hier mitten in der Pampa im Dunkeln eingepfercht und sollen so die nächsten drei Stunden warten. Jeder versucht es sich irgendwie gemütlich zu machen. Auf Hockern die am Straßenrand stehen. Mit Pappe auf dem Boden unterm Auto, welches vielleicht etwas Wärme abstrahlt und ein paar von uns im Auto. Es war ungemütlich und kalt und hier und da auch noch ein paar Moskitos damit man ja nicht zum Schlafen kommt. Während ich draußen auf einer Art Holzbank am Straßenrand liege, ist sogar einer von den Burmesen so dreißt gewesen und hat im Auto versucht sich nacheinander an Kaja und die Schweizerin ran zu machen. Der Arsch! Nach seinem Misserfolg hat er morgens als es um 5!! Uhr dann endlich weiterging direkt den Weg zurück angetreten und ist nicht mit uns weiter gereist. Zu dem Zeitpunkt hab ich von der ganzen Aktion noch gar nichts gewusst, sonst hätt ich dem Mal ordentlich die Leviten gelesen. Warscheinlich hat er das geahnt 😀

Nach einer sechs Stunden Horrornacht geht es endlich weiter und wir hatten uns während der Hinfahrt entschlossen gleich bis nach Kinpun zu reisen. Das "Basislager" für alle die zum Mt. Kyaitkiyo pilgern wollen. Also geht die Fahrt nochmal zwei Stunden länger und wir kommen völlig zerknautscht gegen Mittag in Kinpun an. Die Mittagshitze treibt die Temperaturen hoch und wir wollen uns nurnoch ausruhen. Das einzig brauchbare Hotel hat gesalzene Preise und so bekommen wir für 15 Euro die Nacht eine absolute Bruchbude. Das kleine Zimmer ist zwar "sauber" aber nach dem Rohputz wurde hier nicht mehr weiter gemacht. Wand und Boden sehen gleich aus und wenn etwas verschüttet wurde bleibt es für die Nachwelt in Erinnerung. Das Bad sieht genauso übel aus. Gott sei Dank haben wir unsere Hängeleine dabei um nichts auf den Boden legen zu müssen. Wir duschen und fallen uns Bett. Hello Myanmar!


Mt. Kyaiktiyo

Nach einem kleinen Mittagsschlaf haben wir rießen Hunger. Kaja noch mehr, da das scharfe Essen von der Nacht doch eine Nummer zu viel war und wenige Stunden später während der Wartezeit im Auto den wieder Weg nach draußen gefunden hat.
Kinpun ist ein reiner Pilgerort, der größtenteils auch nur von Burmesen besucht wird. Sind wir zum einen von der Freundlichkeit der Burmesen erfreut, schockiert uns im selben Moment die Haufen an Müll die überall rum liegen. Für unseren ersten Ort haben wir uns den ausgesucht, der echt am meisten Kulturschock bietet. Wir haben uns sozusagen selber ins kalte Wasser geworfen! Immerhin die Suppe schmeckt und komische Sesamcracker gehen als Süßigkeit voll klar.

Am nächsten Tag wandern wir los zum Mt. Kyaiktiyo zum goldenen Felsen, welcher der Legende nach von nur zwei Haaren Budddhas im Gleichgewicht gehalten wird. Kyaiktiyo bedeutet so viel wie "Stupa auf dem Kopf des Einsiedlers", da ein alter Eremit diese Haare von Buddha bekommen hat und kurz vor seinem Tod dafür eine Pagode auf einem Felsblock bauen ließ.
Der schädelförmige fünf Meter hohe Stein wurde, der Sage nach, damals mit Hilfe des Königs zum Berg gebracht und steht dort bis heute und hat sogar schon mehreren Erdbeben stand gehalten. Der Fels ist vergoldet und als Brauch bringen männliche Pilger beim Besuch Blattgold am Fels an. Frauen ist dies untersagt und sie dürfen den Felsen nicht anfassen. Der Hti (eine burmesische Stupa) auf dem Felsen sieht zwar etwas kitschig aus, aber hier gibt es nichts Heiliges das keine Stupa trägt und daher gewöhnt man sich recht schnell an den Anblick.

Der Weg hinauf führt an kleineren Dörfern vorbei und wir bekommen einen Einblick wie wohl die ärmere Bevölkerung lebt. Meist sind es Wellblechhütten auf Stelzen mit offenen Fenstern und Türen. Das Zimmer spartanisch mit einer Matte und hier und da etwas Hab und Gut. Überall umgeben von Müll.
Wir wollen ein paar Fotos machen, aber fühlen uns schon fast schlecht dabei, mit unserem elektronischen Krimskram und im Verlgeich hierzu reich, Fotos aufzunehmen.

Die 12 km ziehen sich ganz schön durch die Mittagshitze, aber an sich ein netter nicht zu anstrengender Pfad. Bergab entscheiden wir uns allerdings mit den Locals zusammen im umgebauten LKW mitzufahren. Mit einem "Meen-Gah-Lah-Bah" begrüßen wir schon den ganzen Tag alle Einheimischen, die uns jedesmal freundlich zurück grüßen und sich über unsere Sprachkenntnisse freuen. Nach einer weiteren Nacht in unserem Kabuff reisen wir weiter in Myanmars größte Stadt nach Yangon.

Yangon

Zugegeben es kann ganz schön verwirrend werden mit all den verschiedenen Namen. Burma, Birma, Myanmar.
Nicht nur das Land sondern auch die ganzen Städte wurden durch die Militärjunta umbenannt. Also wir sind in Rangun, bzw. Yangon und sind schier überwältigt von all den Eindrücken die sich uns hier bieten.

Von Weihnachtszeit bei 36 Grad bekommen wir hier nichts mit. Das einzige ist eine Verkäuferin in einer Mall, die für ein paar Selfies eine Weihnachtsmütze an hat. Ansonsten sind wir noch immer etwas im Kulturschock. Wir fühlen uns wie in einem Mix aus China, Indien, Vietnam und Kuba.
Wunderschöne goldene Pagoden mischen sich mit heruntergekommenen Hochhäusern, die vom Zerfall her definitiv mit Kuba mithalten können. Beides getrennt von großen Straßen, mit noch größeren Schlaglöchern auf denen Autos fahren, die sowohl für Links- als auch für Rechtsverkehr gedacht sind.

All unsere Sinne werden beeinflusst. Wir sehen zwar, wie die Straßen gefegt werden, aber alles nebenan im Gebüsch landet, wo sich Berge von Plastik und Müll auftürmen. Hinter jeder Ecke wartet ein anderer Geruch und man weiß nicht ob es nach leckerem Essen oder nach der offenen Kanalisation am Straßenrand riechen wird.
Wir sind begeistert von der Freundlichkeit der Menschen, die uns anlächeln und immer gern helfen, aber im selben Moment auch etwas angeekelt von den roten Spuckspuren die überall auf dem Boden zu sehen sind. Fast alle Männer und auch einige Frauen kauen hier einen Mix aus rotem Tabak und Betelnuss, welcher eine rote Flüssigkeit beim Kauen erzeugt und dann immer wieder ausgespuckt wird. Durch die rote Spucke sieht es beim Lächeln dann auch so aus als ob der ganze Mund voller Blut ist. Nicht gerade der leckerste Anblick. Hübscher anzusehen sind die Frauen und Kinder, die ihr Gesicht mit Thanaka Farbe beschmieren, um es vor der starken Sonne zu schützen. Eine Art natürliche Sonnencreme.

Freundlichkeit, Hektik, Gelassenheit, Bescheidenheit, Hitze, aber auch Staub, Lärm, Armut und Arbeitslosigkeit. Das Land regt zum nachdenken an und fesselt die Blicke egal wo man hin schaut.
So sehr, dass unsere größte Verletzungsgefahr ist in eins der offenen Kanalisationslöcher zu fallen, da unsere Augen schon wieder etwas Neues und Aufregendes bestaunen.

Birma, Burma, Myanmar oder wie auch immer. Wir sind mittendrin!

Und...wie wohl jedem Ausländer, der zum ersten Mal in diesem Land ist, erwischt es uns auch mit einem Magen-Darm-Infekt. Wohl beim Inder um die Ecke, als wir, wie alle anderen eben auch, aufs Besteck verzichtet und mit den Händen gegessen haben. Irgendwann musste es ja mal kommen. Wir verlängern unseren Aufenthalt in Yangon um ein paar Tage und heilen uns mit Imodium und selbstgemachter Elektrylotlösung.
Kaja hat es hier etwas mehr erwischt, muss sich öfter übergeben und hat auch etwas Fieber. Doch nach zwei Tagen Bettruhe, viel Tee, Wasser und leicht verdaulicher Kost kommen wir zu alten Kräften und können wieder weiterziehen.

Natürlich besuchten wir davor auch noch die 2500 Jahre alte Schwedagon Pagode mit fast 100m Höhe. 65 Tonnen Gold, über 4300 Diamanten mit 1800 Karat Gewicht und auf der Spitze der Stupa ein 76 karätiger Diamant zieren Myanmars Wahrzeichen und eine der berühmtesten Stupas der Welt. Besonders in der Dämmerung fängt die Pagode immer mehr an zu leuchten und wer die Zeit findet das Treiben rund um die Pagode zu beobachten, bekommt tiefere Eindrücke in die Ritualien und Abläufe des religiösen Zentrums Myanmars.

Bagan

Nachdem wir uns wieder erholt haben sind wir gleich zum nächsten Highlight weitergereist. Im 600 km entfernten Bagan kommen wir um halb fünf Uhr nachts/morgens an. Wieder total gerädert werden wir belagert von Taxifahrern, die uns aber alle irgendwie zu teuer sind. Ein kleinerer Junge versucht mitzuhalten und bietet uns eine günstigere Fahrt mit seiner Mini-Pferdekutsche an. Wir schlagen zu und schon sitzen wir mitten in der Nacht mit den beiden Kutschern und unserem Gepäck auf der zweirädrigen Minikutsche.
Nach der Hitze im Süden geht es hier nachts schon frischer zu Gange und ohne zusätzliche Decke wären wir wohl fast erfroren.
Wir realisieren dabei, dass die Strecke doch etwas länger ist als geplant und die Kutsche nicht gerade zum schnellsten Fortbewegungsmittel zählt. So müde und kalt uns doch ist, so sehr müssen wir über uns selbst lachen, wenn wir mal versuchen ein paar Euro zu sparen. Auf dem Weg checken wir kurz im Reiseführer nach Unterkünften und klappern zwei drei auf der Kutsche ab, bis wir in einer passablen Bleibe unterkommen.
Mittlerweile ist es früher Morgen und während wir uns schlafen legen, stehen die meisten schon auf um die mystischen Sonnenaufgänge über den Tempeln Bagans zu bestaunen.

Bagan ist das Gegenstück zur Tempelstadt Angkor in Kambodscha. Von den einst 6000! Tempeln sind noch ca. 2000 erhalten und somit ist Bagan eine weitere architektonische Meisterleistung auf die wir hier in Süd-Ost-Asien treffen. Einst eines der größten Städte des Mittelalters (ca. 15 mal größer als das damalige London) ist auch hier der Größenwahn der Bauprojekte und die immensen Kosten ein Grund des Niederganges des Reichs von Bagan. Leider aufgrund des alten Militärregimes noch nicht zum Weltkulturerbe erklärt, werden Restaurierungen hier nach Lust und Laune und ohne historisches Fundament getätigt. Lässt sich hoffen, dass sich unter der neuen Regierung da bald etwas ändert.

Während Kaja schon etwas Tempelmüde ist und unsere Tour früher abbricht, fahr ich noch weiter mit dem E-Roller von einem Gebäude zum Anderen und finde es spannend, während einer Timelapseaufnahme auf einem der rießigen Tempel zu sitzen und im Reiseführer die Geschichte dazu zu lesen. Intriegen, Mythen, Aberglaube. Es ist wie ein interaktives Buch in der Hand zu halten und sich ein paar tausend Jahre in die Vergangenheit zurück versetzt zu fühlen. Dazu ein kilometerweiter Ausblick und Licht und Schattenspiele in der kräftigen Nachmittagssonne. Mächtige prunkvolle Bauten umgeben von sandigen Straßen. Im Inneren jahrhundertealte Wandmalereien und rießige meterhohe Buddhastatuen. Nieschen und Wandelgänge über die man nach oben auf rot-goldenene Kuppeln gelangt und den mit Tempelspitzen versehenen Horizont bestauen kann. Trotz vieler Touristen ist es vergleichsweise ruhig und man ist die meiste Zeit doch alleine unterwegs, was das Gefühl umso realistischer macht.

Mandalay und Pyin Oo Lwin

Kajas Freundin Aneka war ja vor kurzem erst auch in Myanmar und so hatten wir schon einige Reisetipps aus erster Hand. Einer davon war auch wie chillig man hier doch per Anhalter reisen kann. Nachdem wir eh versuchen wollten in Myanmar richtig günstig unterwegs zu sein nahmen wir die Herausforderung an und machten uns los. Etwas raus aus dem Dorf gelaufen warten wir an einer Straßenkreuzung auf Vorbeifahrende in Richtung Mandalay. Viele kommen nicht (wir sind auch mal wieder viel zu spät dran), aber ein netter älterer Herr nimmt uns nach kurzem Warten mit.
Na das ging ja besser als gedacht. Ok wir kommen zwar nur 30 km weiter aber immerhin, fehlen nur noch 120 km. Rausgeschmissen an einer Straßenkreuzung kommen ein paar komische Einheimische ohne Englischkenntnisse die uns nicht ganz geheuer sind und versuchen uns zu helfen und einen Bus der bald kommen soll anzudrehen. Die kapieren leider nicht, das wir versuchen zu reisen ohne dabei Geld auszugeben.
Zum Glück hält ein netter Typ im Minivan an und nimmt uns mit, bevor wir mit dem Gesindel noch mehr interagieren müssen. Bis Mandalay schaffen wir es wieder nicht, aber immerhin 50 km weiter und auch etwas schneller als der erste Opi der gefühlt die 30km/h nicht überschreiten wollte.

Reisen in Myanmar ist einfach ein Abenteuer für sich. Es geht über einspurige Eisenbahnbrücken, ausgetrocknete Flussbetten und vorbei an Straßenarbeitern, bei denen wir nicht wissen ob sie vielleicht auch zur Zwangsarbeit verdonnert wurden. Mit Straßen bauen in Deutschland ist das in keinster Weise vergleichbar.

Der nette Mann fährt uns extra ein Stück weiter als er muss, zu einem Knotenpunkt Richtung Mandalay und wir warten und kurz darauf kommt ein alter Bus vorbei. Für unglaubliche 2000 Kyat(ca.1,4 Euro) kommen wir bis nach Mandalay. Sorry aber das war so günstig, dass sich das Trampen echt nicht mehr gelohnt hat. Zudem waren wir schweißgebadet durch die Mittagshitze. Wir chillen im Bus mit den Einheimischen und finden den runtergekommenen Bus gar nicht so ungemütlich.
Dafür schockiert uns die Bushaltestelle in Mandalay erneut mit einer Unmenge an Müll und Dreck am Rande des Terminals. Wir zwängen uns wieder vorbei an den Taxis Richtung Hauptstraße und versuchen in die Stadt zu trampen.
Ein LKW mit leerer Ladefläche hält an und wir springen hinten drauf. Gott sei Dank sind es nur 8 km und der LKW fährt genau dorthin wo wir in der Nähe ein paar Unterkünfte vermuten.

Immer wieder wird uns hier klar wie oft man sich doch mit den verrücktesten Sachen fortbewegt. In Deutschland, wo man sofort Strafe zahlen muss wenn man sich nicht anschnallt, wissen wir gar nicht wann wir das letzte Mal einen Gurt in einem Auto gesehen haben. So zusammengepfercht, ohne Airbags, ohne TÜV, ohne Gurt, gammlige Busse, TukTuk, Roller, LKWs. Wenn hier mal was passiert dann stehen die Chancen glaub ich echt schlecht, aber gerade aufgrund der mangelnden Sicherheit kommt es einem so vor als ob alle viel aufmerksamer fahren. Sieht man in Deutschland immer wieder mal einen Unfall, ist das hier echt die Ausnahme. Die meisten Unfälle passieren da noch den Touristen die Roller fahren und keine Ahnung haben bei sandigem Grund vielleicht nicht mit der Vorderbremse zu bremsen und dünn bekleidet über den Asphalt rutschen. Wie auch immer. Wir sitzen auf der schmutzigen LKW Ladefläche mit zwei anderen Burmesen und rasen in die Innenstadt. Wieder ohne Unfall!

Mandalay selbst überzeugt uns Null! Eine hässliche Stadt und es gibt nur ein Kombi-Sehenswürdigkeitsticket um sich alles anzuschauen. Uns interessiert aber nicht alles, sondern nur der Palast und das Teakholzkloster und so ist uns das Ticket zu teuer und wir reisen am nächsten Tag weiter.

Im Nachhinein wäre ein Besuch bei der Blattgoldherstellung oder ein Blick auf die U-Bein-Brücke (die längste Teakholzbrücke der Welt) schon die paar Dollar wert gewesen, aber naja so bleibt noch was übrig falls es irgendwann noch einmal hier her gehen sollte.

Spannend war die Fahrt wieder weiter nach Pwin Oo Lyin in einem Taxi Pick-up. Zusammengefercht mit 14 anderen Burmesen und zwischen Säcken voll Reis haben wir uns schon fast an die Enge gewöhnt und die drei Stunden gehen schneller vorbei als erwartet.
Hier gefällt es uns besser als in Mandalay. Die Straßen weniger staubig, etwas Kolonialstil und ein schöner Park laden zum verweilen ein! Zudem gibt es interessantes Straßenessen und auch das frischere Klima für ein paar Tage tut uns gut!

Inle See und Nyaung Shwe

Die paar Kilometer Richtung Süden machen sich bemerkbar, denn wir schwitzen erneut! Wir sind 1000 Höhenmeter tiefer in der Mitte von Myanmar gelandet. Am Inle-See bzw. am Städtchen Nyaung Shwe ganz in der Nähe.
Die Hitze ist wieder da und man merkt anhand der vielen westlich orientierten Restaurants, das hier eine der Hauptattraktionen Myanmars auf uns wartet.
Bei einer Bootstour um den See geht es vorbei an schwimmenden Gärten, Silberschmieden, Einbeinruderern, schwimmenden Dörfern und Klostern.
Die schwimmenden Gärten sind eine fruchtbare, treibende Masse aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen die durch Bambus am Seeboden befestigt ist. Die, überwiegend, Inthas die hier leben, haben ihr ganzes Leben auf das Wasser ausgerichtet, nachdem das Landt drum herum schon besiedelt war.

Mittlerweile gibt es 17 Dörfer in denen insgesamt 70.000 Menschen leben. Am bekanntesten ist allerdings das Bild der fischenden Einbeinruderer. Die Fischer hier haben eine ganz spezielle Fortbewegungs- und Fischmethode entwickelt. Ein Höchstmaß an Gleichgewicht und eine ausgefeilte Technik ist von Nöten um hier nicht vom Boot zu fallen.

Auch wenn die meisten mittlerweile beim Posieren für Fotos fast mehr Geld verdienen, ist es schön zu sehen, dass diese Technik bis heute überlebt hat und noch nicht aufgegeben wurde.

Hpa-An

In Hpa-An sind wir wieder ganz nahe der thailändischen Grenze, aber wollen uns hier noch, nach Empfehlung, die schöne Region anschauen. Es geht vorbei an kleinen Wasserfällen und einer Fledermaushöhle, bei der zum Sonnenuntergang mehrere hunderttausend Fledermäuse aus der Höhle strömen. Ein wahnsinniger Anblick, die Masse an Fledermäusen am Himmel zu sehen, welche einen Strom bilden, der selbst nach 10 Minuten noch anhält bis es Dunkel wird.

Während einer Timelapseaufnahme versuchen wir ein paar einheimischen Kids einige englische Wörter beizubringen und versuchen selbst auch etwas neues auf birmanisch (oder burmesisch..wie auch immer) zu lernen.
Wir stellen fest wie schwer das ist und der Respekt vor Reisenden vor einigen hundert Jahren wächst in diesem Moment direkt ins Unermessliche.

Mawlamyaing

Für die Fahrt nach Mawlamyaing entscheiden wir uns für eine Bootstour. Vor einigen Jahren war das sogar die einzige Möglichkeit hier her zu kommen. Mittlerweile gibt es neue Straßen und eine Brücke, das Verkehrsnetz in Myanmar wächst stetig.
Die drei stündige Fahrt geht an kleinen Karstbergen, Feldern und Natur vorbei, weit ab von Menschenmassen und Verkehr kann man die Aussicht genießen und relaxen. Aber nur so lange man Ohrstöpsel dabei hat! Wie überall in Asien sind hier alle Boote immer übertrieben laut. Eine Pinkelpause gab es leider nicht, aber wer kann schon behaupten von einem schnell fahrenden Boot während der Fahrt runtergepinkelt zu haben. Der Bootsführer und wir fandens lustig. Die anderen Reisenden haben es gar nicht gemerkt 😀

In Mawlamyaing mit einer schönen Promenade direkt am Fluss bekommen wir das beste Essen in ganz Myanmar serviert. Würzig und sehr scharf aber super leckeres Curry und der Fisch ist der beste seit der Reise.
Hier probieren wir auch zum ersten Mal aus wie ein Einheimischer den Kellner herzurufen.
Das passiert nicht wie bei uns mit herwinken oder zurufen, sondern man macht ein Kussgeräusch um auf sich Aufmerksam zu machen wenn der Kellner vorbeiläuft. Super lustig 😀

Als wir abends joggen gehen kommen wir an einem lokalen Markt vorbei und vor diesem liegen zwei riesige tote Hunde, schon ganz aufgebläht vom Gären. Völlig verstört von diesem Anblick wundern wir uns, dass es keinen kümmert und sie nicht weggeräumt werden. Wir denken uns Theorien aus, ob die Hunde eines natürlichen Todes gestorben sind (Hitze, Revierkampf, angefahren worden) oder ob beide Hunde gezielt getötet wurden, um die Zahl an Streunern zu dezimieren. Wer weiß...Generell haben wir Myanmar als hundefreundliches Land kennengelernt und auch die Anzahl streunender Hunde ist sogar geringer als beispielsweise in Thailand.
Naja wir konnten es nicht rausfinden aber ein Schock war es definitiv.

Zu unentschlossen und so kurz der Aufenthalt hier ist können wir uns nicht wirklich entscheiden was wir machen wollen und machen daraufhin keine Tour mehr, sondern leben einfach etwas in den Tag hinein bevor es dann jetzt kurz vor Weihnachten weiter nach Bangkok geht. Natürlich wieder mit einer anstrengenden 14 Stunden Fahrt:)

Im nachhinein haben die knapp 3 Wochen gerade so gereicht um die Myanmar-Standartroute abzuklappern.
Nach fünf Monaten auf Reisen waren wir in dem Land, das im Vergleich noch am authentischten das Süd-Ost-Asien wiederspiegelt, wie es früher mal gewesen ist und am stärksten Einblicke in Kultur und Leben der Einheimischen zulässt. Spätestens wenn der Süden Myanmars erschlossen und leichter zu berreisen ist, geht es hier her zurück um die traumhaften Inseln und Tauchgebiete am Mergui Archipel zu erforschen. Hier dürfte es jetzt noch so sein wie Thailand vor 30 Jahren. Unberührt und unversehrt vom Tourismus.
Myanmar hat uns begeistert, fasziniert und schockiert zugleich. Die Freundlichkeit und Herzlichkeit mit der Reisende begrüßt werden sucht seinesgleichen und macht den Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Unsere Reiseausgaben in Myanmar findet ihr hier

Fakten über Myanmar

- 50 Millionen Einwohner
- ca. doppelt so groß wie Deutschland
- nur neue nicht geknickte US-Dollerschein lassen sich tauschen
- längste internationale Militärdiktatur (seit 1962)
- Folge war die komplette Isolation Myanmars und eine ruinierte Wirtschaft
- 90% der Bevölkerung sind Buddhisten, in 135 ehtnischen Gruppen und 19 Sprachgruppen

Interessantes

- laut StAGN (Ständiger Ausschuss für geographische Namen) werden Bewohner Myanmars Myanmare genannt, wir finden aber Burmesen als melodischer.(Myanmare klingt eher wie ein Fisch oder?:D)
- Rechtsverkehr obwohl 90% der Autos für Linksverkehr gedach sind
- den Rechtsverkehr gibt es erst seit 1970, da ein Astrologe dem damaligen Regierungschef den Tod im Linksverkehr vorhergesagt hat, einen Tag später gab es per Gesetz nur noch Rechtsverkehr
- in Myanmar gibt es 8 Wochentage, jeder Wochentag hat ein Symbol, der Mittwoch Vormittag ist ein Elephant mit Stoßzähnen, der Nachmittag ein Elephant ohne Stoßzähne
- eines der wenigen Länder die nicht das metrische System benutzen
- der astrologiegeile General Ne Win war von der Zahl 9 besessen! Daher gab es auch 45 und 90 Kyat Geldscheine, oder einen 75 Kyatschein als er 75 Jahre alt wurde. Nach einem Coup 1989 waren all diese Noten mit einem Schlag nichts mehr wert

Herausfordernd und spannend:
- mit den unmöglichsten Fahrzeugen hier unterwegs zu sein
- die MultiKulti-Mischung (Inder, Chinesen, Burmesen) in Yangon und dessen Stadtleben
- die Straßenzustände machen jede Fahrt lang und schmerzhaft
- um Halb 5 Uhr morgens in eisiger Kälte in Bagan auf den Sonnenaufgang warten

Cooles:
- das Männer hier alle einen Sarong tragen (Tuch zum umbinden das wie ein Rock aussieht), selbst Krawattenträger
- Frauen und Kinder die Thanaka als Sonnenschutz benutzen
- Essensmix aus Thai, China und Indien (Shan-Nudeln, Mohinga und birmesische Pfannkuchen sind besonders lecker!)
- das authentischste Land in Süd-Ost-Asien, wenig Tourismus und umso mehr Spiritualität spürbar
- Essen, Geld usw. wird mit der rechten Hand ausgehändigt, während die Linke den rechten Ellbogen stützt
Ekelhaft oder nervig:
- Müll an jeder Ecke und in jedem Fluss
- Magen-Darm-Infekt in Yangon vom Essen
- Betelnuss kauende und spuckende Burmesen
- im Nachtbus läuft ständig Musik oder burmesische Soaps in voller Lautstärke
- Zusammenstöße zwischen Muslimen und Buddhisten und die Unterdrückung der Rohingya

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