Mt. Kinabalu

Mt. Kinabalu

Wisst ihr was das Schlimmste ist an einem Reiseführer?

Die Tatsache, dass man, sobald man anfängt zu lesen einfach tausend Sachen findet, die sich spannend anhören und die man auf einmal unbedingt machen muss. So ergeht es uns hier in Malaysia. Der Reiseführer ist vollgepackt mit tollen Aktivitäten, die sich nach Once-in-a-lifetime-Momenten anhören. Und was noch schlimmer ist... wir wollen natürlich alles mitnehmen!
Haben wir schon aufgrund regionaler Ferien die Cameron Highlands ausgelassen und wegen des Ostmonsuns im März sicherheitshalber die Perhentian und Tioman Inseln nicht bereist (welche super zum schnorcheln sein sollen..viele große Meerestiere:) ) konnten wir auf das nächste Highlight nicht verzichten.
Den höchsten Berg zwischen dem Himalaya Gebirge und Neuguinea besteigen. Wow das klingt doch mal imposant.
Genauso imposant ist aber auch der Preis den man für die Besteigung hinblättern muss. Für das Besteigen des UNESCO Weltkulturerbes gibt es nur einen Anbieter und es ist gesetzlich vorgeschrieben mit Guide den Berg zu besteigen.
Diese Monopolstellung macht sich der Anbieter zu nutze und so steigen die Preise in unverschämte Höhe.

Doch ein kleiner Lichtblick sagt, man kann auch versuchen den Berg an einem Tag zu besteigen. Gesagt getan! Wir sind eh gerade fit wie ein Turnschuh, da wir uns auf den Halbmarathon in Miri vorbereiten und schreiten voller Tatendrang zum Hauptquartier.
Vorbereitet auf alle Fragen sind wir guter Dinge die Tageslizenz zu kriegen, fragen nach und bekommen direkt eine Abfuhr.
Vor einem dreiviertel Jahr (Juni 2015) gab es ein starkes Erdbeben woraufhin war ein Großteil der Route verschüttet war, Menschen starben und die Besteigung war für ein halbes Jahr gesperrt. Jetzt kann man zwar wieder den Berg besteigen, aber am selben Tag hoch und runter gibts nicht mehr. Und nicht nur das, die Preise für Guide und Genehmigung
sind sogar nochmal um 100% gestiegen. Na Klasse. Nachdem wir uns jetzt aber schon mit Handschuhen, Schal, Mütze und kiloweise Wandernahrung eingedeckt haben, beißen wir in den sauren Apfel und bezahlen den teuren Preis.

Nach etwas überlegen sind wir sogar ganz froh uns die unmenschliche Eintagestour zu ersparen und das ganze jetzt mit einer Übernachtung auf der Bergstation anzugehen. So haben wir zumindest Zeit für ein paar Videos und Fotos und können einen weiteren tollen Sonnenaufgang in traumhafter Kulisse erleben.


Auf geht's und unser höchster Berg seit Geburt wartet auf uns. Früh morgens kommen wir ins Hauptquartier und erledigen noch die restlichen Formalitäten, suchen und finden zwei lustige Engländer mit denen wir uns einen Guide teilen können, holen unser Lunchpaket ab und laufen los. Die beiden Jungs sind selber super fit, waren sie doch vor kurzem erst in Indonesien und haben da den höchsten Vulkan bestiegen.
Wir reden und wandern, wir reden und steigen bergauf. Schritt für Schritt und in einem richtig knackigem Tempo, so dass nach einer Stunde schon die ganzen Klamotten halb durchgeschwitzt sind. Im nachhinein hätten wir in diesem Tempo wohl auch die Eintagestour geschafft, aber gut lassen wir das.

Gestartet sind wir am Timpohon Gate auf 1866m überm Meeresspiegel und haben es in knappen drei Stunden bis zur Zwischenstation Laban Rata auf 3270m hinauf geschafft. Im Reiseführer stand was von vier bis sieben Stunden. Pfff.
Nicht für uns. Jetzt haben wir noch den ganzen Abend vor uns und genügend Zeit über den Wolken Postkarten zu schreiben (immerhin gibt es hier oben die höchste Poststation in ganz Asien) uns zu unterhalten und bei Tee und Kaffee wieder aufzuwärmen und unsere Sachen zu trocknen.
Nach dem relativ frühen Abendessen versuchen wir uns recht zeitig ins Bett zu legen und zu schlafen da es am nächsten Tag bereits um 2 Uhr früh zum Gipfelsturm los geht. Leichter gesagt als getan, die Höhe fordert wohl etwas seinen Tribut und uns beide plagen so starke Kopfschmerzen, dass wir fast gar nicht schlafen. Immerhin haben die Kopfschmerztabletten am Schluss doch noch geholfen und wir sind Mitten in der Nacht wieder fit, wenn auch total gerädert vom Schlafmangel.

Bei Neumond im Dunkeln und mit Stirnlampe auf dem Kopf wandern wir kurz vor 3 Uhr los. Diesmal in richtig langsamen Tempo. Unserem Guide war es wohl gestern zu schnell und heute will er nicht schon zu früh am Gipfel sein. Schritt für Schritt marschieren wir nach oben. Trotz unseres gemäßigten Tempos überholen wir immerzu andere die schon früher los sind. Eigentlich überholen wir sie sogar mehrmals, da zwischendrin immer wieder Pausen für Fotos mit langen Belichtungszeiten dabei sind und bei 30 Sekunden langen Aufnahmen ruckzuck ein paar Minuten rum sind. Dennoch wir kommen dem Gipfel immer näher.
Das Gute ist auch, dass wir bei dem Tempo nicht allzusehr ins schwitzen kommmen. Ist bei wenigen Grad über Null auch nicht empfehlenswert. Das Gelände wird immer schroffer und steiniger, bis wir am Ende die letzten zwei Kilometer nurnoch auf Granitplatten laufen. Immerhin spielt das Wetter super mit und so bleiben uns rutschige Partien erspart. Auch geht es teilweise so stark bergauf, dass man ohne Hilfsseile direkt wieder runter rutschen würde. Es funkeln die Sterne über uns und die Kulisse des gewaltigen Steinmassivs das wir besteigen ist auch mitten in der Nacht bei kaum Licht super zu erkennen. Wir werden bald wirklich ganz da oben stehen. Weiter gehts:)

Langsam spüren wir wie es heller wird. Eine halbe Stunde Rast und eine Snackpause bevor wir uns auf zum Gipfel machen.
Früher hätte es auch keinen Sinn gemacht, denn dort oben weht eben doch ein eiskalter Wind.
Unerbitterlich geht es mit jedem Schritt steiler bergauf, die Luft wird immer dünner und das Atmen schwerer, bis wir nach einer weiteren anstrengenden Stunde und nach insgesamt drei Stunden am Gipfel stehen. Genau rechtzeitig bevor wenige Minuten später die Sonne aufgeht. Gott sei Dank, denn die wenigen Minuten auf dem Berg kühlen uns radikal runter.
Mit jedem Zentimeter den die Sonne aufsteigt wird es wärmer und wir bestaunen neben dem Sonnenaufgang auch das Schattenspiel,welches der Bergriese auf die andere Seite wirft. Mit jedem Funken mehr Licht können wir auch immer mehr von der Umgebung erkennen und bleiben am Schluss doch fast eine Stunde auf dem Gipfel. Dabei hätten wir fast noch das obligatorische Gipfelfoto vergessen. 4095m ist der Mt. Kinabalu hoch und wir haben die 2230 Meter Höhenunterschied in weniger als sechs Stunden gemeistert. Super stolz und glücklich sind wir jetzt erfolgreiche Besteiger eines 4000er!

Kurz darauf drängt uns auch schon unser Guide zum Abstieg. Da es hier gegen Mittag - Nachmittag hin des öfteren doch regnet und man währendessen nicht zu gern auf dem glatten Granit bergab klettern will. Wir haben Glück und auch auf dem Rückweg spielt das Wetter mit. Auf der Berghütte gibt es noch ein letztes Mal Frühstück bevor wir den Heimweg antreten. Bis jetzt können wir uns noch gar nicht vorstellen von dem bisschen Bergsteigen überhaupt einen Muskelkater zu bekommen. Doch etwas zu früh gefreut. Insgesamt ist der Aufstieg 8,7km lang. Da man am ersten Tag nur 6km bis zur Hütte zurücklegt blieben also für den zweiten Tag weitere 2,7km bergauf und ganze 8,7km bergab.
Und die gehen so richtig in die Beine. Das der gesamte Weg bis auf sehr sehr kleine Strecken konstant bergauf geht macht sich beim absteigen noch viel stärker bemerkbar.
Sind die ersten paar Kilometer noch ganz in Ordnung, fangen die großen Steine an ihren Tribut zu fordern. Die Beine und Knie schmerzen immer mehr und die letzten zwei Kilometer sind eine reine Qual. Kurz vor Muskelkrampf und totalem Muskelversagen kommen wir endlich gegen Mittag am Ziel an. Nach einem großzügigen Mittagessen reisen wir noch 4 Stunden weiter bis nach Sepilok um im Dschungel auf Orang Utans und Honigbären zu stoßen und unseren Beinen die geforderte Auszeit zu gönnen. Die dauert am Ende eine ganze Woche! Eine Woche lang unglaublicher Muskelkater!

Wir sind rumgelaufen als ob wir noch nie im Leben auf zwei Beinen standen und jeder einzelne Schritt war die Hölle auf Erden. Im polnischen würde man sagen "Dało nam w dupę!".
Bereuen wir deswegen den Aufstieg. Überhaupt nicht. Würden wir es nochmal machen. Garantiert!

Die Mühe war es allemal wert und die Aussicht auf 4000m einmalig. Zu erleben wie die dünnere Luft einem zu schaffen macht und man sogar hier schon viel stärker atmen muss um sich fort zu bewegen, waren eine wahnsinns Erfahrung. Das Wetter war perfekt und wir wurden für unsere Mühen erneut mit einem traumhaften und einzigartigen Sonnenaufgang belohnt. Die Besteigung führt durch vier verschiedene Vegetationsstufen. Angefangen von Regenwald und dessen Schwüle und Hitze, durch normalen Wald über diverse Steppengewächse und nebligen Passagen, bis zum Ende wo nichts mehr wächst und man der eisigen Kälte gegenübersteht.

Die nächste Herausforderung in diese Richtung wartet wohl in Indonesien mit diversen Vulkanbesteigungen auf uns. Doch jetzt wissen wir was uns erwartet und sind bestens vorbereitet!

Unsere Reiseausgaben in Malaysia und Singapur findet ihr hier

Interessantes über den Mt. Kinabalu

- der Mt. Kinabalu ist "erst" 10 Millionen Jahre alt und wächst jedes Jahr um weitere 4cm
- im Kinabalu Nationalpark gibt es über 5000 Tier und Pflanzenarten zu bestaunen
- der Mt. Kinabalu ist mit 4095m der höchste Berg zwischen dem Himalaya und Neu Guinea
- der Erstbesteiger hieß Hugh Low, daher heißt der höchste Punkt auch Low's Peak
- das Erdbeben am 5. Juni 2015 riss 19 Menschen mit in den Tod
- der Kinabalu Nationalpark ist seit 2000 als Weltkulturerbe der UNESCO gelistet

Aufregend:

- mitten durch die Nacht klettern um den Sonnenaufgang mitzurerleben
- durch viele Vegetationsstufen an einem Tag wandern
- zu merken wie sich dünnere Luft auf den Körper auswirkt

Nicht so cool war:

- viel Geld für eine Bergbesteigung zahlen, die Alpen gibts gratis!
- Massenstart zum Gipfel, warten auf langsame Bergsteiger an engen Passagen
- kein Wasser inklusive bei dem teueren Preis

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