Kambodscha

Kambodscha

Phnom Penh

Boah was ein Segen! Wir kommen in Pnomh Penh, Kambodschas Hauptstadt an und denken uns nur jaaaa.. Südostasien hat uns wieder.
Das Reisen ist hier so chillig. Alles ist viel mehr auf Tourismus ausgelegt und das merkt man. Jeder Tuktuk-Fahrer hat rudimentäre Englischkenntnisse bzw. versucht zumindest zu verstehen wo man hin will und bietet sich an.
Generell kommen wir wieder in den alten Reiserhythmus. Es ist wieder sonnig, wir brauchen nur noch Flipflops und die Unterkünfte, Essen und Transportkosten sind unschlagbar günstig.
Diesmal gehts in ein Hostel zum übernachten. Nachdem wir uns bis jetzt immer den Luxus eines Doppelzimmers geleistet haben, wollen wir nun mal schauen wie es uns im Dorm in einem Hostel so gefällt.
Lustigerweise hat unser Hostel Schlafsäle mit Doppelbetten und eine super coole Rooftopbar. Also eher der Ferrari unter den Billigunterkünften!

Dennoch unser Fazit:
Für ein paar Tage absolut ok, aber generell nur unwesentlich günstiger und zudem muss man dauernd Rücksicht auf alle im Schlafsaal nehmen. Wenn dann welche schon um 22 Uhr schlafen, nervt das ganz schön sich nicht frei bewegen zu können oder leise im Dunkeln in seinem Rucksack nach Sachen zu suchen.
Für Alleinreisende bestimmt super, denn man hat Leute um sich rum, ist nicht allein und günstig ist es auch noch. Zu zweit teilt man sich die Übernachtungskosten und so kann man sich ein privates Zimmer dann doch leisten.

Phnom Penh selbst zeigt sich von seiner schönen Seite. Viele Reisende die wir kennen gelernt haben, meinten Phnom Penh sei nicht schön und hat nichts besonderes, aber wir fühlen uns hier eigentlich ganz wohl. Große, relativ saubere Straßen, überschaubarer Verkehr und gutes, günstiges Essen.
Direkt neben dem Hostel ist der Königspalast mit der Silberpagode und entlang der Straße überall günstiges Streetfood und um die Ecke ein paar Bars und Restaurants.
Was will man mehr. Mit einem ausgeliehenen Roller erkunden wir Kambodschas jüngstige Vergangenheit bei den Killing Fields und im S21 Museum. Schockierend und erschreckend zu sehen was unter Pol Pot und den roten Khmer in Kambodscha getrieben wurde. Entvölkerung und Zerstörung des kulturellen Erbes auf eine Art und Weise, die wir kaum nachvollziehen können.

Die Ideologie die dahinter steckt ist so stumpfsinnig und dumm, dass man es kaum fassen kann. Noch unglaublicher zu sehen, wie lange westliche Länder, selbst nach dem Sturz, die roten Khmer noch als regierende Partei angesehen haben und zum Teil jetzt noch ehemalige Mitglieder in der Regierung mitmischen und nicht für die begangenen Taten bestraft wurden. Die Greueltaten die hier geschehen sind suchen seines Gleichen und hinterlassen bei uns ein mulmiges Gefühl.

Mit etwas gedämpfter Stimmung nach dieser Geschichtsstunde müssen wir erstmal ans Meer und schauen uns Kambodschas kleinen Strandabschnitt im Süden an. Einfach mal ein paar Tage abschalten und am Strand liegen.

Sihanoukville

In diesem kleinen Strandstädtchen haben wir die beste Unterkunft seit langem. Großes gemütliches Zimmer, es gibt einen Pool, eine Playstation 3 und einen chilligen Gemeinschaftsraum mit einer gut gefüllten Bar, wo man sich mit anderen Reisenden auf ein paar Bier austauschen kann.
Alle Restaurants sind super günstig und man wundert sich nicht, dass hier wohl einige Europäer des älteren Semesters überwintern und sich für ein paar Monate einquatieren.

Einzig die Strände sind nicht so ganz das Wahre. Und deswegen sind wir ja eigentlich hergekommen. Einer verschmutzt und unschön, der nächste total überlaufen und der dritte überseht mit Sextouristen und fetten Weißen, die sich am Strand massieren lassen.
Leider haben wir uns missverstanden und aneinander vorbeigeredet als es darum ging einen Trip mit dem Boot zu ein oder zwei kleinen Inseln zu machen, die zauberhafte Strände haben sollen und bei denen man abends am Lagerfeuer zusammen sitzt. Wir habens irgendwie verpeilt und erst gemerkt das wir beide da hin wollten als wir schon auf dem Weg nach Siem Reap waren. Naja werden ja noch genug Strände in Thailand sehen:)

Siem Reap und die Tempel von Angkor

Das nächste Mega Highlight wartet auf uns. Dank Sandap, dem Freund einer Freundin haben wir für unseren gesamten Aufenthalt hier einen Roller und können die größte erhaltene Tempelstätte der Welt auf eigene Faust erkunden. Zudem zeigt er uns auch etwas die Stadt, nimmt uns mit zu seiner Arbeit und wir treffen uns abends immer mal auf ein Feierabendbierchen. Sandap arbeitet in einer sozialen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat mittels Spenden Häuser für Bedürftige zu bauen oder neue Gebäude oder Räume für Schulen mit aufzubauen. Kambodscha zählt immernoch zu einem der ärmsten Länder der Welt und kann jede Unterstützung gebrauchen.
Tagsüber schauen wir uns die Tempelanlagen an. Ein Tag reicht dafür definitiv nicht aus und so holen wir uns einen 3-Tages-Pass und tauchen ein in eine Welt, die aus einem Indiana Jones Film kommen könnte.

Angkor ist nicht nur ein Tempel, sondern eine ganze Stadt. Bzw. sind es eher mehrere Städte, die hier im Lauf einiger Jahrhunderte (9.-15.Jh) gebaut wurden. Auf einer Fläche von 200km^2 wurden bis heute über 1000 Tempel entdeckt und zum Höhepunkt des Khmer Reiches haben hier über 1.000.000 Menschen gelebt, als Vergleich Paris hatte gerade mal um die 20.000 Einwohner zu der Zeit.

Angkor Wat (der bekannteste Tempel) selbst wurde in gerade mal 40 Jahren mit Hilfe von 25.000 Arbeitern aus dem Boden gestampft. Ein 1,5 km langer Wassergraben umgibt den am besten erhaltenen Gebäudekomplex, der bis zu 65m hoch ist. Hier arbeiten eine Menge Wissenschaftler daran (unter anderem auch ein deutsches Team) um den Erhalt des Tempels und der unendlich vielen Flachreliefs zu gewährleisten. Wahnsinn wenn man sieht wie präsise und Detailreich damals schon gebaut werden konnte.


Über alle Tempel zu berichten, die wir uns angeguckt haben sprengt wohl eindeutig den Rahmen, aber neben Angkor Wat, für den wir extra um 5 Uhr morgens schon da waren um einen Sonnenaufgang zu filmen, haben uns am meisten Bayon und Ta Prohm begeistert. Klar auch die Zitadelle der Frauen (Banteay Srei) Angkor Thom und viele viele kleinere Tempel waren total beeindruckend, aber die beiden haben uns am meisten geflasht.
Bayon ist ein dreistöckiger Tempel mit 54 Türmen, dessen Wände ein 1,2 km langes Relief schmückt. Doch das imposante hier sind die 216 Gesichter, welche auf den Türmen in alle Himmelsrichtungen gucken. Da die Einwohner zur Entstehung Angkor Thoms halb hinduistisch und halb budddhistisch waren, kann man hier den Synkretismus zur damaligen Zeit sehen und findet sowohl hinduistische Götter abgebildet als auch Buddha Statuen.
Ta Prohm auch als Dschungeltempel bekannt, haben bestimmt schon viele gesehen ohne es zu wissen, da die Ruinen hier bereits als Filmkulisse für Lara Croft Tomb Raider benutzt wurden. Auf beeindruckende Art und Weise hat sich die Natur hier alles zurückerobert. Über 600 Jahre alte Bäume und Würgefeigen umschlingen die Tempel und wachsen auf ihnen, um sie herum oder aus ihnen heraus. Man bekommt wirklich ein Indiana Jones Feeling, als ob man selbst auf Erkundung gegangen ist und eine verlassen Tempelstadt gefunden hat. Nur ohne Falltüren, tödliche Hindernisse oder goldene Schätze.

Nach einer Woche in Siem Reap und voller neuer Eindrücke wollen wir uns auf den Weg nach Laos machen und im Süden auf den 4000 Inseln im Mekong ein paar Tage in der Hängematte chillen.

Kambodscha wäre fast super gewesen wäre da nicht die Korruption, die einfach überall vorhanden ist. Zwar wurden wir weder überfallen oder bestohlen, aber durften dennoch mit diversen Abzocken Bekanntschaft machen. Die Polizei mussten wir mit 5 Dollar bestechen um weiter fahren zu dürfen und an der Grenze hat uns das ganz agressiv reagierende Busunternehmen auch nochmal versucht das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Man wird ja eh schon an der Grenze selbst abgezockt und muss für Ein- und Ausreisestempel jeweils zwei Dollar zahlen. Aber der unfreundliche und aggressive Typ vom Busunternehmen wollte uns richtig übers Ohr hauen. Zuerst mussten wir alle stundenlang warten bis der Bus zur Weiterreise kommmt, um uns dann anzuhören das die Grenze gleich schließt und wir nur bei ihm das Visum für Laos bekommen. Natürlich für 10 Dollar mehr als üblich. Das wollten sich Gott sei Dank zwei andere Reisende auch nicht gefallen lassen und so haben wir unsere Rucksäcke geschnappt und sind selber zur Grenze gelaufen.
Wie erwartet haben wir ganz normal zum regulären Preis unser Visum bekommen und am Ende sogar noch 1,5h auf die anderen gewartet, die sich haben abzocken lassen.
Alles darf man sich eben doch nicht gefallen lassen. Wir sind happy, das wir dem Mistkerl Parole geboten haben und zumindest den anderen Mitreisenden gezeigt haben, wie man sich der Korruption stellen kann.

Unsere Reiseausgaben in Kambodscha findet ihr hier

Interessantes über Kambodscha

- 30% alle Kambodschaner sind unter 16, 50% unter 30 Durchschnittsalter: 25
- der Tonle Sap Fluss fließt die Hälfte des Jahres in den Norden und die andere in den Süden
- Der Kopf ist das heiligste Körperteil und darf nicht berührt werden
- Nicht mit Füßen auf Buddhas oder Menschen zeigen
- Zahl der Touristen 2004: 1 Mio 2009: 2,2 Mio 2014: 4,5 Mio
- einzige Flagge der Welt auf der ein Gebäude zu sehen ist (Angkor)

Super lecker fanden wir:

- Fisch Amok (grünes Curry mit Fisch und Gemüse dazu Reis)
- Lok Lak (Reis mit Fleisch in dunkler Soße und Spiegelei)

Schlimmes:

- während der 4 jährigen Herrschaft der Roten Khmer wurden ein Fünftel der eigenen Bevölerung ermordet
- viele Gebiete wurden bis 1998 noch von den Roten Khmern regiert
- jährlich sterben 850 Menschen durch Landminen, die teils wegen des Vietnam Krieges und teils wegen der Herrschaft der Roten Khmer in Kambodscha rumliegen (man schätzt 6 Mio Blindgänger)

Nerviges:

- Korruption ist alltäglich: paar Dollar hier paar Dollar da, alle Behörden und öffentlichen Einrichtungen sind korrupt
- sogar bei Diebstahl oder Überfall muss man für eine Anzeige bei der Polizei bis zu 50 Dollar bezahlen

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