Gibbon Experience – Laos

Gibbon Experience

Die Gibbon Experience! Eine der Sachen, die schon in Deutschland feststanden und wir wussten, dass wir sie auf jeden Fall machen wollen. 2,5 Tage für knapp 300 Euro/Person ist ja auch kein günstiger Spaß. Aber für mich, die als Kind immer in einem Baumhaus wohnen wollte, ist es ein Traum, der endlich in Erfüllung geht.

Die Gibbon Experience existiert seit 1996 und ist ein ökologisches Projekt, dass sich mit dem Schutz des Bokeo Regenwaldes im Norden von Laos beschäftigt. Es kämpft gegen illegale sowie komerzielle Abholzung, Brandrodung und Wilderei. Desweiteren soll den Einheimischen ein neues Bewusstsein beigebracht werden und gezeigen werden, dass sie mehr von einem intakten Wald haben anstatt diesen immer weiter auszubeuten. Die Gibbon Experience arbeitet eng mit den Einheimischen zusammen und stellt für diese Arbeitsplätze bereit, denn irgendwann soll das Projekt komplett in laotische Hände übergeben werden. Die Einnahmen des Projektes fließen aktiv in die Aufforstung und den Schutz des Regenwaldes. Man unterstützt also etwas Nachhaltiges.

Was wir dafür geboten bekommen ist ein unglaublisches Abenteuer von dem jedes Kind träumt 🙂

Einen Tag vor Beginn der Gibbon Experience melden wir uns im Büro in Houayxay und bekommen erste Informationen. Unser großes Gepäck werden wir im Büro lassen und sollen nur einen kleinen Rucksack mitnehmen mit dem Nötigsten was man für 2,5 Tage im Dschungel braucht, d.h. 2-3 paar Unterwäsche, Zahnbürste, Waschzeug, 2 T-Shirts, feste Schuhe usw. der übliche Kram halt. Viel wichtiger sind allerdings Moskitospray, eine Stirnlampe pro Person und Klopapier, denn erstens benutzen die Südostasiaten kein oder nur wenig Klopapier und zweitens sind die Baumhäuser nur sehr spartanisch ausgestattet.

Meistens befindet sich in Südostasien ein kleiner Handduschkopf neben jedem Klo und man spritzt sich nach getaner Arbeit einfach sauber und das wars. Man könnte es mit einer Art Bidet vergleichen. Da wir aber doch in der westlichen Welt aufgewachsen sind und es sich komisch anfühlt mit nassem Hintern rumzulaufen, haben wir uns eben Klopapier mitgenommen 😛 Auch haben wir alle Akkus voll aufgeladen, da es im Dschungel natürlich keine Steckdosen gibt. Da die einzige Solarglühbirne im Baumhaus auch nur 2-3 Stunden nach Sonnenuntergang Licht spendet war eine Stirnlampe ebenso Gold wert und man hat zudem die Hände frei beim umherlaufen.

Nun gut wir haben gepackt, ausgeschlafen und stehen morgens startklar am Büro. Wir werden auf 3 Toyota 4x4 Pick-Ups verteilt und treten die zweistündige Fahrt in den Nationalpark an. Die erste Stunde verläuft wenig spektakulär, da wir uns auf einer super neuen Straße befinden aber das soll nicht so bleiben. Irgenwann biegen wir mitten in der Pampa in einen unscheinbaren Seitenweg ab und dann gehts auch schon los. Wir fahren zu allererst mitten durch einen Fluss, der das Auto schon bis zu Hälfte der Fahrertür einsinken lässt. Weiter geht die abenteuerliche Fahrt bergauf und bergab über Felsen, Steine und durch knietiefen Matsch. Das Auto rutscht und schlittert, wir werden ordentlich geschüttlet und können uns vor lachen kaum halten, da es sich keiner so ruckelig vorgestellt hat.

Im Dorf, welches bereits im Nationalpark liegt, angekommen, begeben wir uns auf die ca. einstündige Wanderung durch den Dschungel. Die ist nicht anders als die Jeeptour und so schlittern wir matschige Pfade hinauf und hinuter und genießen das Dickicht des riesigen Dschungels. Und ja er ist so wie man ihn sich vorstellt, unglaublich heiß, viele Moskitos, gigantische Bäume mit herabhängenden Lianen und ein durchdringendes Grün das einen von allen Seiten umgibt.

Bei einem kleinen Zwischenstopp werden wir in 9er Gruppen eingeteilt in denen wir dann auch die nächsten 2,5 Tage zusammenbleiben und bekommen die Gurte für das Ziplining. Wer bis jetzt geglaubt hat das war schon ordentlich Aktion der muss sich festhalten, denn jetzt wurde es richtig spaßig.

An der ersten Zipline bekommen wir eine kurze Einführung in gebrochenem Englisch und dann noch das Signal erklärt, das man geben soll wenn man auf der anderen Seite angekommen ist und die Zipline wieder frei ist (3 mal aufs Kabel hauen). Alle sind sichtlich aufgeregt und keiner kann sich entscheiden wer zuerst gehen soll. Die Zipline beginnt auf einer kleinen Plattform an einem Baum und man sieht wie das Kabel zwischen den Bäumen durchführt und im Nirgendwo endet. Einer unserer beiden Guides geht zuerst der andere zuletzt. Das Gefühl ist unbeschreiblich!!! Man schnallt sich ans Kabel und lässt sich gleiten. Zuerst noch etwas langsamer aber dann immer schneller werdend, rauscht man zwischen den Büschen und Baumstämmen entlang, aufgeregt ob man nicht irgendwo hängen bleibt, bis man aus dem Busch herausbricht und in einem Affenzahn über den Baumkronen entlang fegt. Es offenbart sich ein traumhafter Ausblick über den ganzen Dschungel und man schwebt zwischen Adrenalinrausch und Begeisterung. Ein atemberaubendes Gefühl!


Nassgeschwitzt vom Aufstieg und in unserem Baumhaus angekommen können wir uns bei Kaffee und Tee erstmal ein bisschen entspannen. Unser Baumhaus mit der Nr.1 ist das erste der Gibbon Experience und auch das größte. Es erstreckt sich über 3 Stockwerke und liegt am Hang mitten in den Bäumen und nicht darüber wie die anderen. Somit soll es auch das beste sein um die seltenen Gibbonaffen zu beobachten, da man mit ihnen auf selber Höhe sitzt.

Nachdem wir noch ein bisschen auf eigene Faust Ziplinen durften war der Tag auch schon fast vorbei und nach einer Dusche im Freiluftbad mit Dschungelblick bekamen wir das Abendessen frisch zubereitet über die Zipline von einer einheimischen Mitarbeiterin gebracht. Zu essen gab es einen Haufen Sticky Reis (Laostyle), verschiedens Gemüse und Fleisch. Simpel aber lecker und sättigend.

Die Nacht war erholsam aber auch aufregend zugleich, da man die ganzen Geräusche des Dschungels hörte und sie zum Teil nicht zuordnen konnte. Als ich dann nachts aufwachte und ein komisches Flattern hörte hatte ich ein bisschen Angst den Weg zur Toilette zu wagen. Nur gut das zwei andere Mädels der Gruppe sich zusammengeschlossen haben, weil auch sie Panik hatten und somit sind wir am Ende zu dritt aufs Klo gegangen. Man weiß ja nie was für Rieseninsekten sich in den Ecken verstecken.

Am nächsten Morgen zeigt sich der Dschungel von seiner mystischen Seite und man kann sehen wie sich ein dicker Nebel aus ihm heraus erhebt. Es sieht aus als würde der ganze Dschungel dampfen und es liegt eine angenehme Kühle in der Luft. Um 9:30 Uhr ist aber alles wieder verflogen und man schwitzt wie eh und je. Am zweiten Tag machten wir eine ausgiebige Wanderung und haben alle anderen sieben Baumhäuser besucht. Keines gleicht dem anderen und jedes einzigartig in seiner Konstruktion. Die Wanderung war schweißtreibend und die Ziplines wurden immer länger, höher und spektakulärer.

Ein extra Highlight war das Glück, das wir als einzige Gruppe die Gibbons tatsächlich zu Gesicht bekamen. Am zweiten Morgen waren sie in der Nähe unseres Baumhauses aktiv und wir sahen mehrere männliche (schwarzes Fell) und sogar ein Weibchen mit einem Jungen (gelbes Fell). Begeistert stand unser ganzes Baumhaus im Freiluftklo da und beobachtete die Gibbons, wie sie von Baum zu Baum sprangen und ihre seltsamen Rufe von sich gaben. Begeistert und froh Affen, Vögel und mega große Eichhörnchen gesehen zu haben, wurde kurz nachdem die Gibbons weiterzogen das Frühstück serviert und wir starteten in unseren letzten Dschungeltag.

Wir konnten nochmal ziplinen was das Zeug hält, bevor wir uns dann gegen Mittag wieder auf die Heimreise begaben.Durchgeschwitzt und mit Matsch beschmiert aber glücklich!
Die zweistündige Jeeptour gab es am Ende natürlich nocheinmal 😀

Unsere Reiseausgaben in Laos findet ihr hier

Interessantes über die Gibbon Experience

- im Umfang der Aufforstung werden jährlich 100.000 Bäume gepflanzt
- Beteiligung an nachhaltiger Landwirtschaft
- Bereitstelleung eines Teams aus 15 Parkrangern die illegales Jagen, Abholzen und Dynamitfischen unterbinden sollen
- Verbreitung einer neuen Art von Eco-Tourismus: Naturschutzprojekt durch Tourismus finanzieren

Cool fanden wir auch

- das 70 jährige Paar in unserer Gruppe, das sich diese Strapazen angetan hat und mitgereist ist
- die super coole Truppe mit der wir drei Tage lang zusammen geschwitzt haben, gewandert sind und uns Abends im Dunkeln Geschichten erzählt haben
- Spaß zu haben und gleichzeitig etwas Nachhaltiges zu unterstützen

1 Antwort

  1. Tolles Video! Spannungsgeladen und voller Energie! Muss eine wunderbare Erfahrung gewesen sein! :-)

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