Gestrandet an der Sunshine Coast

Gestrandet an der Sunshine Coast

Ja unsere Pläne haben sich geändert. Und zwar so richtig. Wir werden unser Camperleben an den Nagel hängen, noch etwas Geld ranschaffen und uns dann wieder in Länder begeben, in denen man mehr erlebt, mehr unbekannte Kultur und Natur entdecken kann und in denen es vor allem günstiger ist als hier. Sprich wir fliehen aus Australien, überspringen Neuseeland und werden erst einmal zurück nach Südostasien reisen.
Doch eins nach dem anderen.

Yandina und Samford Village

Es ist unser erster Tag wieder in Freiheit, wir haben die Renovierungen in Byron Bay abgeschlossen, all unser Hab und Gut wieder in unseren Van gepackt und haben schon grob die Planung für die Outbacktour fertig, da kommt die Nachricht, dass das mit der Outbacktour erstmal nichts wird.
Der Land Rover der Berliner, mit dem wir vor kurzem noch über den Strand auf Moreton Island geheizt sind, ist in Flammen aufgegangen. Und das wortwörtlich. Während der Fahrt hat es wohl angefangen zu qualmen und nach Plastik zu riechen. Nachdem sie schnell anhielten, sah man auch schon Flammen unterm Motor flackern.

Nur gut, dass keinem was passiert ist und die Australier, schnell und hilfsbereit, gleich die Feuerwehr gerufen haben. Da unser Plan gemeinsam durchs Outback zu cruisen jetzt hinfällig ist, bieten wir unsere Hilfe an und fahren 300 km zurück zur Sunshine Coast nach Maroochydore. Hier gilt es erstmal ein paar organisatorische Sachen zu erledigen. Das schrottreife Auto noch gewinnbringend irgendwie verkaufen und überlegen wie es weitergehen soll. Die nächsten Tage quartieren wir uns erst einmal auf einer kostenlosen nahe gelegenen Rest Area in Yandina ein und überlegen uns wie es weitergeht.

Da es sich nicht mehr lohnt das Auto zu reparieren schalten wir Kleinanzeigen im Internet und schaffen es nach ein paar Tagen das Auto an einen Ersatzteilhändler für Land Rover zu verkaufen und haben somit zumindest schon mal die Möglichkeit weiterzureisen. Doch zuvor holen wir noch alles aus dem Auto raus was geht. Wir haben das Glück das beide Gepäckträger auch auf unseren Van passen und saugen mit einem Schlauch noch alles an Sprit raus was der Tank hergibt.

Der nächste Plan ist es ein neues günstiges Auto zu finden, denn zu fünft in unserem Van ist es zum einen ziemlich eng und zum zweiten eigentlich gar nicht erlaubt, da wir hinten keine Gurte geschweige denn Sitze zum Anschnallen haben. Immerhin haben wir Glück und werden die ganze nächste Zeit über nicht von der Polizei kontrolliert.

Tagsüber suchen wir nach Autos und abends wird etwas trainiert. Leider gibt es in der ganzen Region der Sunshine Coast keine brauchbaren Autos und somit geht es weiter in die nächst größere Stadt.
Nach Brisbane. Hier versuchen wir erneut unser Glück und grasen alle Hostels nach Autoangeboten ab. Leider ist keine Hochsaison und Brisbane auch kein typischer Ort um seine Reise zu beenden.
Zudem ist das Problem, dass ein Auto das in Queensland angemeldet ist, in einem anderen Bundesstaat nur schwer wiederverkauft und umgemeldet werden kann. Also reisen wir weiter in den Süden und überqueren die Grenze nach New South Wales. Hier macht es schon mehr Sinn, da man ja höchst wahrscheinlich von Sydney aus wieder das Land verlässt und hier auch jede Menge Leute ihre Reise starten.

Auf dem Weg kommen wir in Nimbin vorbei. Ein kleines Kaff in NSW, dass etwas nach seinen eigenen Regeln lebt.

Nimbin

Hier gab es in den 70er 80er ein kleines Hippie Festival bei dem ein paar Leute festgenommen wurden. Nachdem die ganze Gemeinde friedlich gegen die Festnahme protestierte, gab nach einiger Zeit die Polizei nach und ließ die Gefangenen frei. Das war auch gleichzeitig der Moment in dem der Konsum von Marihuana toleriert wurde. Entstanden ist eine kleine Hippie Gemeinde, denn viele der Festival Besucher ließen sich hier nieder.

Obwohl in NSW der Konsum und Anbau von Marihuana eigentlich verboten ist, wird er hier immer noch toleriert. Ein seit damals stattfindendes Mardi Grass Festival lockt jedes Jahr über 20.000 Besucher an. Aber auch sonst ist das Örtchen ein von Touristen beliebtes Reiseziel.

Nimbin lag direkt auf unserer Route und so haben wir uns das kleine Dörfchen auch mal angeschaut. Die Erwartungen hier eine lustige Hippie Kommune aufzufinden, bei der alle in Tipis wohnen und zusammen ums Lagerfeuer sitzen sucht man hier aber vergeblich.

Das Bild von Nimbin ist eher enttäuschend. Neben ein paar Dauerdruffies auf irgendwelchen Drogen sind hier etliche Shops mit Kommerzartikeln neben einander gereiht. Selbstgemachtes sucht man hier vergeblich. Alles nur Massenware. Lediglich die Veganer-Hipster werden hier bei Organic Food und einem Chai Latte im hippen, überteuerten Cafe auf ihre Kosten kommen.

Nach einem Spaziergang durch das Dorf haben wir nach einer Stunde auch alles gesehen und reisen weiter gen Süden.

Coffs Harbour und Nana Glen

Zu fünft in einem Van unterwegs zu sein bringt einem schon an diverse organisatorische Schwierigkeiten. Klar, dass wir nicht zu fünft im Auto schlafen, aber wir sind auf Campingplätze angewiesen, die wenig Kosten und auf die man auch ein großes Zelt stellen kann.
Auch Küche und Kühlschrank sind im Dauergebrauch und alle Verstaumöglichkeiten im Auto restlos vollgestopft.

Leider geht unser Plan nicht auf in Coffs Harbour ein gescheites Auto beim Händler zu finden und somit gehen uns langsam die Ideen aus. Es geht nicht wirklich weiter und jeder Tag kostet einen ja trotzdem Geld, welches auch immer knapper wird. Zwar gibt es auf dem Campingplatz super zahme Kookaburras die man sogar auf die Hand nehmen kann, aber ein Grund länger als nötig zu bleiben ist das natürlich auch nicht.

Nach etwas rumrechnen ändern wir daher unsere Pläne. Die Berliner kaufen sich ein Busticket direkt nach Sydney. Dort gibt es viele Jobangebote und die beste Möglichkeit wieder neu Fuß zu fassen.
Bis zur Abreise wird noch so viel Organisatorisches erledigt wie möglich. Mietwagen Anbieter werden rausgesucht (denn das ist billiger als im Hostel zu schlafen), Luki macht seine White Card, die man benötigt um in Australien auf einer Baustelle arbeiten zu dürfen und Julian und Michelle frischen ihren Lebenslauf auf und entwerfen Anschreiben für Bewerbungen.

Kaja und ich werden mit dem Auto Richtung Sydney reisen und uns dabei noch mehrere Nationalparks und Sehenswürdigkeiten ansehen die auf dem Weg liegen.

Eine ungewollte Begegnung

Am Tag der Abreise fahren wir zusammen in die Innenstadt von Coffs Harbour in die Nähe der Bushaltestelle und da passiert es. Wir werden das erste Mal von der australischen Polizei kontrolliert.
Beim Einparken, in der Nähe einer Mall, stellt sich die Polizei mit aktiviertem Blaulicht direkt neben uns. Schnell schrei ich nach hinten, dass alle aus dem Auto raus müssen. Die beiden Jungs hinten kapieren zuerst gar nicht was Sache ist, gehorchen nach einem zweiten Zuruf aber und springen aus dem Auto.

Welch ein Glück, dass die Polizei auf der anderen Seite vom Auto steht und sich mit dem Aussteigen Zeit lässt (Da würde man gern wissen was die Gäste vom nahegelegenen Cafe gedacht haben, als da ein Van auftaucht und plötzlich Leute aus der Hintertür springen und wegrennen).
Kurz darauf kommt die Polizistin an und fragt nach Papieren und Führerschein. Wir wurden angehalten, da ich an einer Kreuzung rechts abgebogen bin, obwohl ein Schild das selbige verbietet.
Leider hab ich nur aufs Navi gehört und das Schild völlig übersehen. Kaja und Michelle, die auch vorne saßen ist in dem Moment auch nichts aufgefallen. Naja kann ja mal passieren. Nobodys perfect und schließlich ist das hier ja nicht unser Heimatland. Eine Verwarnung schlimmstenfalls und die Sache hat sich.

Haha Pustekuchen. Wir sind hier in Australien und hier werden so Sachen eben knallhart bestraft. Da hilft kein Jammern und Betteln, und ja wir haben beides ohne Ende probiert. Eiskalt geht die Dame ins Auto notiert sich die Führerscheindaten, kommt zurück und übergibt uns das Knöllchen von 252!! Dollar. Das sind gute 170 Euro. Uff damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet. Keine Silbe zu viel und die bescheuerte Politessenkuh prinzipientreue Gesetzeshüterin fährt wieder weiter und wir stehen da und können nichts als uns tierisch über die spießigen Australier aufregen.

Da muss man echt sagen, in Australien ists noch schlimmer als in Deutschland. Man darf kein Alkohol in der Öffentlichkeit trinken, rauchen ist eh überall verboten (Unabhängig davon, dass beides so teuer ist, dass man es sich sowieso nicht leisten kann), im eigenen Auto schlafen ist verboten, seinen Arm während der Fahrt aus dem Fenster halten: Verboten! Und generell alles was Spaß macht ist verboten und alle Strafen exorbitant teuer. Nach Diskussionen mit mehreren Einheimischen bekommt man auch noch mehr mit was wie viel was kostet: Im Auto übernachten 600 Dollar, Falsch Parken 110 Dollar, schwarz Bahn fahren 400 Dollar, Rote Ampel 500 Dollar, Fahrrad fahren ohne Helm 400 Dollar, usw. usw. So kann man natürlich auch ordentlich Geld in die Staatskasse bringen.

Wir überlegen ernsthaft den Strafzettel nicht zu zahlen, denn erstens wollen wir den Van eh bald verkaufen und zweitens ist der Strafzettel nur auf den Führerschein ausgestellt und den Reisepass hat die Hüterin der Bürokratie nicht zu sehen bekommen. Naja falls ja werden wir mit Sicherheit etwas früher zum Flughafen fahren um eventuelle Nachzahlungen noch leisten zu können ohne unseren Flug zu verpassen. Wir werden sehen.

Jetzt heißt es erstmal Abschied nehmen. Den Berlinern viel Glück beim Start in Sydney wünschen und wir machen uns auf zum 150 km langen Waterfall Way Richtung Landesinnere. Hier warten subtropische Nass- und Feuchtregenwälder auf uns. Hoffentlich können die uns etwas von der Polizeibegegnung ablenken.

Unsere Reiseausgaben in Australien findet ihr hier

Unsere Gesamtkosten für unseren Campervan sind hier zusammengefasst

1 Antwort

  1. Raus ...aus dem Straflager - Australien! Na ,ja alles hat mit Sträfling en aus England begonnen... Und bald nach Schlarafenland Deutschland zurück...! Der Land Rover- Motor war nur aus Kabel gebastelt? Ein Elektro-Auto made in Australien?

Schreib einen Kommentar