Letzter Trip im Campervan

Ein letzer Trip im Campervan

So da sind wir wieder alleine unterwegs. Nach 2-3 Wochen zu fünft im Auto ist es zwar schade nicht mehr zusammen zu reisen, aber es macht auch alles wieder um einiges einfacher. Campingplatzsuche, Essen einkaufen, kochen, Entscheidungen treffen. Es geht eben doch alles schneller wenn man nur zwei Meinungen berücksichtigen muss. Und schließlich werden wir uns ja bald in Sydney wieder sehen.

Nach dem Knöllchen von der Polizei, verabschieden wir uns von den Berlinern und reisen wieder getrennter Wege. Dabei hoffen wir das unser Auto den letzten großen Trip noch überleben wird. Das macht nämlich immer häufiger Mucken und fängt nach längerer Fahrt immer wieder an zu rattern und hat keine Power mehr. Wenigstens hört das Geräusch nach einmal entkuppeln auf und wir können direkt weiter fahren. Der kleine 1.8 L Motor ist nach 18 Jahren vielleicht doch etwas müde und hat Probleme den vollbeladenen Van ständig über die Great Dividing Range zu schleppen. Wir haben ja gehofft in Coffs Harbour den Van fit zu kriegen, aber der nette Mechaniker (ein Schweizer der vor 40 Jahren ausgewandert ist) meinte wir sollten lieber nach Sydney fahren und das Auto verkaufen, anstatt da noch weiter Geld rein zu stecken. Und so tuckern wir mit unseren 80 km/h weiter durch die Gegend, schonen den Motor und hoffen das wir ohne große Probleme die restlichen 1000 km bis Sydney schaffen.

Somit steht uns ein letzter großer Trip bevor und wir biegen direkt nach Coffs Harbour wieder ab Richtung Landesinnere.

Der Waterfall Way

Eine 190 km lange Themenroute bis Armidale für all diejenigen die nicht einfach an der Küste entlangfahren wollen. Mal so nebenbei. Uns ist schon klar warum viele sagen die Ostküste sei ein alter Hut und da reist ja jeder rauf und runter und nur im Westen gibt’s das wahre Outback und das wahre Australien bla bla bla. Und irgendwie stimmt das auch auf den ersten Blick, aber nicht aufgrund der Natur, sondern einfach, weil 80 % aller Backpacker nur an der Küste entlangfahren und sich sonst nichts angucken.

Außer den 4-5 Haupttouristenspots haben die Leute sich dann nichts weiter angeschaut und finden dann alles eben schon ziemlich touristisch und ausgelatscht. So ist das auch wenn man sich nicht etwas Absatz der Hauptroute bewegt. Dabei hat das Hinterland von Australiens Ostküste uns schon an so viele tolle Orte und Landschaften geführt. In Queenslands Hinterland sind wir durch tropische und subtropische Regenwälder gewandert, haben traumhafte Wasserfälle gesehen, tolle Hochplateaus bestaunt und sind riesige Schluchten durchwandert. Stattdessen sieht der Strand an der Küste halt eben doch immer aus wie ein Strand. Und klar die Strände sind hier einfach alle echt unendlich lang und perfekt, aber genau das ist der Grund warum man nichts verpasst, wenn man anstatt an der Küste dann einfach mal parallel durchs Hinterland fährt.

So könnte man auch innerhalb von 150 km bis Newcastle reisen oder eben 600 km im Bogen drum herumfahren und dabei Unmengen toller Sachen bestaunen.

Wir entscheiden uns für die Panoramafahrt und durchqueren innerhalb weniger Tage warme und kalte subtropische Regenwälder und gleich mehrere Nationalparks pro Tag. Das Schild gleich am Anfang der Fahrt, dass das nächste Fast-Food-Restaurant erst in 165 km zu finden ist, lässt einem auch schnell klarwerden, dass wir uns von dem überlaufenen Coffs Harbour wieder in die Einsamkeit begeben.

Doch dazu tuckern wir erstmal ordentlich den Berg hoch. Eine Serpentine nach der anderen und schon hier überqueren wir die ersten kleinen Wasserfälle. Oben angekommen hat sich der Anblick radikal gewechselt. Grade noch städtische Autobahnen und einen Moment später üppige Regenwälder und etwas weiter wieder weite offene Ebenen. Durch Bellingen, Dorrigo bis Armidale kommen wir durch unzählige Nationalparks. Wollomombi, New England, Oxley und Cathedral Rock um ein paar Spektakuläre zu nennen. Riesige und schöne Wasserfälle wie die Ebor, Mihi und Dangar Falls gibt es zu bestaunen. Das tolle ist, dass man auch wirklich in kürzester Zeit von einem zum nächsten Nationalpark gefahren ist und dort bei kleineren 2-10 km Wanderwegen sich das meiste ansehen kann.

Wir durchqueren in einem Nationalpark sogar den Dingozaun (das längste von Menschen erbaute Bauwerk der Welt), können die Aussicht auf einem Skywalk genießen, picknicken neben Wasserfällen und gruseln uns beim feuchten New England Subtropenregenwald der auch perfekt gewesen wäre um dort Blair Witch Project zu drehen.

Barrington Tops Tablelands NP

Da es am dritten Tag bei Armidale einfach im Strömen regnet und wir eh schon von Wasserfällen gesättigt sind, nutzen wir das schlechte Wetter und fahren ein langes Stück weiter in die Barrington Tops. Hier gibt es mal wieder (wie überall) tolle Wanderwege und Natur. Und ehrlich gesagt entfällt uns gerade was es da Spezielles zu sehen gibt, da wir es leider eh nicht gesehen haben. Vielleicht irgendwelche seltenen Nagetiere oder so. Wer weiß.

Grund das wir uns aber auch nicht wirklich darauf konzentrieren konnten, war die unglaubliche Kälte die hier herrschte. Auf 1600 Höhenmeter und nach 40 km Schotterpiste sind wir im matschigen Nationalpark angekommen. Es ist keine Menschenseele weit und breit, kein Wunder, denn keiner tut sich solche Temperaturen beim Campen freiwillig an. Als wir im Dunkeln angekommen sind, ahnen wir schon das die Nacht nicht ohne wird und ja das wurde sie auch nicht. Aber Gott sei Dank haben wir ja vor unserer Reise in ordentliche Daunenschlafsäcke investiert und somit die bitter kalte Nacht überstanden.

Wir wissen zwar nicht genau wie kalt es war, aber als am nächsten Morgen das Wasser im Kochtopf der draußen stand eingefroren war, wussten wir, dass es auf jeden Fall unter Null gewesen sein muss. Immerhin haben wir am nächsten Tag traumhaftes Wetter und es ist zwar kalt, aber trocken und ungefähr vergleichbar wenn es auch in Deutschland in die Minusgrade geht. Nur das wir viel zu wenig warme Klamotten haben (immerhin noch die Mützen und Handschuhe vom Mount Kinabalu).

Nach den zwei drei Lookouts entscheiden wir uns daher auch zügig wieder weiter zu fahren und nicht noch eine Nacht in dieser Kälte zu verbringen. Ein paar Stunden später und 1600 m tiefer ist es dann auch wieder sommerlich warm und wir können uns wieder unserer langen Klamotten entledigen.

Booti Booti und die Myall Lakes

Nach den frischen Hochebenen im Landesinneren knallt uns hier bei 30 Grad wieder die Sonne entgegen und für das nächste Sightseeing brauchen wir nur noch die Badehose.

Es geht ein Stück Richtung Süden, Richtung der Stadt Forster entlang der Lake Road. Die Myall Lakes sind eine Reihe von Süßwasserseen und haben eine Fläche von 5800 Hektar. Die Landstraße führt wunderschön an der Seenkette entlang und zwischendrin kann man immer wieder kleine Inseln auf der riesigen Seenplatte entdecken. Der Bereich zwischen den Seen und dem Meer sind in erster Linie unbewohnte Küstenwälder und lange einsame Strände. Wir fahren weiter Richtung Norden bis zum Booti Booti Nationalpark. Auf dem Weg entdecken wir sogar eine kleine Schildkröte auf der Straße, halten an und helfen dem süßen Ding über die Straße, bevor irgendein PS Bullide kommt und die kleine Schildkröte platt fährt.

Weiter Richtung Norden werden die Seen immer salziger und am Booti Booti Nationalpark ist der See quasi schon direkt mit dem Meer verbunden. Das Spannende hier ist aber der sehr sehr dünne Bereich zwischen See und Meer der gefühlt keine 50 Meter beträgt. Auf der eine Seite kann man im ruhigen See schwimmen und auf der anderen in die massiven Wellen des Meeres springen. Abgefahren und eine wunderschöne Gegend.

Erst im Nachhinein haben wir erfahren, dass man bei Foster (also 15 km weiter) immer wieder mit Delphinen schwimmen kann, da diese gern mal dem See und der Bucht einen Besuch abstatten. Das wäre natürlich ein absolutes Highlight gewesen. Da wir das auch nach Recherche nicht gefunden haben, scheint das aber noch eines der wenigen von Touristen verschonten Geheimnisse zu sein. Vielleicht auch besser so. Dann haben die Einheimischen was davon und die Tiere haben auch ihre Ruhe.

Worimi Conservation Lands

Auf dem Rückweg Richtung Newcastle kommen wir bei den Worimi Conservation Lands vorbei.

Ein 4200 Hektar großes Landstück in dem sich mit einer Länge von 32 km die größte bewegende Sanddüne der südlichen Hemisphäre befindet. Das hört sich irgendwie ganz spannend an, aber wirklich gut sehen kann man das nur an ein zwei Aussichtspunkten. Wir versuchen unseren eigenen schönen Aussichtspunkt zu finden, müssen das Auto aber stehen lassen, da die Straße Gebührenpflichtig ist und laufen 3 km Richtung Wüstenspitze. Kaum angekommen haben wir zwar einen tollen Wechsel von Wüste und Meer soweit das Auge reicht, können den Ausblick aber gar nicht genießen, weil es hier von Fliegen nur so wimmelt.

Diese Mistviecher sind hier in Australien auch schlimmer als irgendwo sonst auf der Welt. Diese spezielle Sorte an Fliegen wird Blowflies genannt und kommt eigentlich von den ganzen Rinderfarmen. Hier brütet die nämlich im Dung ihre Eier aus. Das Schlimme an den Fliegen ist aber deren penetrante Art, denn die Fliegen holen sich ihre Proteine gerne aus tierischen und menschlichen Flüssigkeiten und damit ist z.B. die Augenflüssigkeit gemeint.

Ihr hört richtig, diese Mistviecher versuchen einem die Flüssigkeit direkt aus dem Auge zu saugen. Buuuaaah. Da kriegt man doch die Krise. Nur gut das wir bis jetzt nicht mit solchen Massen an Fliegen zu tun hatten. Bei den Zwölf Aposteln an der Great Ocean Road und in Melbourne solls ja besonders schlimm sein und je nach Jahreszeit nicht möglich sein ein Getränk aufzumachen um davon zu trinken, ohne das drei Fliegen drin sind. Nur ein Grund mehr hier wieder abzuhauen.

Weiter auf dem Weg gab es dafür wieder tolle Plätze mit Buchten in denen sich das Meer durch die Brandung schlägt und wunderschöne Strandorte die zum sonnenbaden einladen.

Newcastle und das Hunter Valley

Nachdem wir den nervigen Fliegen dann zügig wieder entkommen konnten machten wir uns weiter auf für einen kleinen Stopp in Newcastle, welches auch die erste schöne Stadt ist, die wir in den letzten 9000 km gesehen haben. Armes Australien, so tolle Landschaften und muss doch mit so wenig Kultur auskommen. Nach einem Lunchbreak ging es dann aber auch direkt weiter.

Da es auf dem Weg nach Sydney liegt haben wir natürlich noch einen weiteren Stopp im Hunter Valley eingelegt. Wohl der Traum für alle Eltern, denn hier gibt es ein Weingut nach dem Anderen und überall gibt es Verkostungen mit tollen Mehrgängemenüs oder Käseplatten.

Uns ist beim lesen darüber auch das Wasser im Mund zusammengelaufen, mussten jedoch schnell feststellen, dass die Gegend nichts für Leute ist, die auf den Inhalt ihres Geldbeutels achten müssen.

Versnobbte Krawattenträger geben sich die Hand und trinken Weinflaschen im Wert von hunderten Dollar. Ne hier kommen wir uns mit Tanktops und unserem alten klapprigen Van etwas fehl am Platz vor. Statt Wein und Gängemenüs gibt es bei uns halt ein Bierchen und Käsekuchen. Jeder wie er eben kann. Um uns nicht noch länger zu bestrafen, bleiben wir hier auch nicht länger als nötig.

Unsere letzte Station rückt immer näher. Wir fangen schon an uns offene Stellen rauszusuchen und planen unserer nächsten Schritte in Sydney. Da fällt uns ein, dass wir am letzten Abend in Bali ein nettes älteres Ehepaar kennengelernt haben, die uns nach einer kurzen Unterhaltung spontan in ihr Haus nach Sydney eingeladen haben. Nach etwas Suche finden wir den alten Zettel mit den Kontaktdaten und versuchen unser Glück und siehe da, das Angebot steht noch. Unser Start in Sydney fängt also mit ein paar Tagen Couchsurfen in einem der besten Viertel in Sydney an, in Manly.

Unsere Reiseausgaben in Australien findet ihr hier

Unsere Gesamtkosten für unseren Campervan sind hier zusammengefasst

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