China

China - Ab ins Reich der Mitte

Eigentlich stand China ja nicht direkt auf unserer Must-Have-Seen-Liste aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat, bei einer traditionellen, chinesischen Hochzeit dabei zu sein, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Das Nanchang auch nicht soo weit vom Huangshan Gebirge entfernt ist, trifft sich auch gut, denn was beim Film Avatar schon beeindruckend aussah, kann in echt nur besser sein.

Das wars dann auch schon mit unseren China Vorbereitungen. Keinen Plan was wir sonst noch so machen und sehen wollen, keinerlei Recherche, einzig das Visum haben wir uns kurz vor der Abreise aus Deutschland noch besorgt, um überhaupt einreisen zu dürfen.

Nanchang

Wir sind in Nanchang mit dem Flugzeug angekommen. Lustigerweise ist das Terminal für internationale Flüge wesentlich kleiner und fast menschenleer im Vergleich zum nationalen Terminal nebenan. Beim Geldabheben und ein Taxi in die Stadt organisieren gehts schon los. Man versteht uns einfach nicht. Und die Chinesen sind auch nicht gerade gewillt es zu probieren. Um nicht das Gesicht zu verlieren, ist es eben einfacher sich dumm zu stellen, anstatt mit Gesten zu versuchen die Konversation voran zu bringen.

Naja man gewöhnt sich nach einiger Zeit daran und so sind wir erstmal froh hier die nächsten Tage nicht allein zu sein, sondern mit Simons Familie, die sich ebenso an die Eigenheiten der Chinesen zu gewöhnen versucht, wie wir. Zusammen lachen und lästern wir was die hier so alles anders machen und feiern erstmal Pennys Geburtstag. Simon der das schon gewohnt ist, nimmt das mit mehr Gelassenheit und hat sich damit abgefunden, dass hier das Rad nicht ganz in die selbe Richtung dreht wie bei uns. Und wenn alle Stricke reißen gibts zum Glück in der Hochzeitsgesellschaft ein paar die Englisch sprechen und einen aufklären können.

Ehrlich gesagt, habe ich mir ganz am Anfang eine "traditionelle" chinesische Hochzeit viel altmodischer vorgestellt. Alte gestickte Gewänder (ähnlich wie im Film "Der letzte Kaiser"), Zeremonien mit Gesang und Musik und alles mit einem etwas mystischen Touch. Doch weit gefehlt. In China zählt der Status und den zeigt man am besten mit Reichtum und Macht.

Traditionel bedeutet, dass es einen bestimmten Ablauf gibt. Der Bräutigam fährt zum Haus der Zukünftigen und muss eine Menge an Aufgaben bewältigen, um sich seine Braut zu erobern. Die Brautjungfern müssen mit "Red Packs" (kleinen Geldpräsenten) besänftigt werden, die körperliche Fitness mit Liegestützen unter Beweis gestellt und eine Menge kleiner Spiele, bei denen die Groomsmen helfen dürfen, stellen die Cleverness des Bräutigams auf die Probe. Nachdem er sozusagen das Herz der Frau erobert hat, müssen nun noch die Eltern der Partner um Erlaubnis gefragt werden. Dies geschehen gehts weiter zum eigentlichen Event. Das ganze wird begleitet von einer rießigen Autokolonne und bei jeder Ankunft oder Abfahrt werden erstmal (die extrem lauten) Chinaböller gezündet.

Im Hochzeitshotel wird dann richtig aufgetischt. Wir kommen uns vor wie in einer TV-Show. Der Saal ist mit Scheinwerfern beleuchtet, ein Filmteam macht gleichzeitig ein Video vom ganzen Abend. Jeder im Saal hat ein Smartphone oder eine Kamera in der Hand, um die Momente digital aufzufangen und ein Moderator interviewt Braut und Bräutigam und deren Familien. Gleichzeitig gibt es Essen in allen Variationen. Umso mehr verschiedene Tiere aufgetischt werden, desto besser. Von Suppe mit schwarzen Hühnchen über Aal, Krebs, tausendjährige Eier, gekochte Hühnerfüße und Undefinierbares bis hin zu Schildkröte wird hier alles serviert. Man isst sich wirklich quer durch die chinesische Küche.

Und dann... Ende! So chaotisch und aktionsreich der Tag früh morgens begonnen hat, so schnell ist er auch wieder zu Ende. Wir schauen auf die Uhr und es ist gerade mal 16 Uhr als unser Tisch der letzte im riesigen Saal ist. Anders als bei uns, wo es dann mit dem Feiern erst richtig los geht, ist für die Chinesen das Essen das absolute Highlight. Nur gut, dass unser Tisch der ist an dem alle Nichtchinesen sitzen. So vertilgen wir die übrig gebliebenen alkoholischen Reste und nach ein paar Stunden Nachmittagspause, während die Sonne im Smog versinkt bevor sie den Horizont erreicht hat, geht es dann im kleinen Kreise abends weiter.

Eine typische traditionelle Hochzeit. Anders als erwartet, aber absolut eine Erfahrung wert.
Nach einer knappen Woche verabschieden wir uns von der Hochzeitsgesellschaft und genießen einen letzten pompösen Abend in Nanchang mit Korean BBQ und einem Besuch einer Rooftopbar eines bonzigen Sternehotels. Diesen Luxus hätten wir uns viel länger auch nicht leisten können 😀

Huangshan Gebirge

Wir reisen mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Huangshan. Die Bahnhöfe der Speedtrains haben Flughafendimensionen und man bekommt ein Gefühl dafür, wie viele Chinesen es doch gibt und wie großflächig gebaut werden muss, wenn diese Menschenmassen gleichzeitig reisen. Hier wo sogar "kleinere" Städte, von denen noch niemand gehört hat, gleich mal mehrere Millionen Einwohner haben.

Wir sind erstmal happy, dass wir uns alleine durchs Ticketbuchen und Reisen geschlagen haben und ohne größere Komplikationen, da angekommen sind, wo wir hin wollten.
Allerdings stellen wir fest, es sind viel mehr die Alltagsdinge, die in Summe dann oft eine nervliche Zereißprobe darstellen. Essen gehen, Einkaufen, nach dem Weg fragen oder ein Taxi nehmen und dergleichen.

Man überlegt immer wieder, verstehen die unsere Gesten einfach nicht oder sind die einfach zu blöd es zu kapieren. Schnell wird klar, mit mehr Vorbereitung würde einem das hier schon leichter fallen.
Aber so quält man sich mühselig durch jede Bestellung und weiß am Ende eigentlich doch nicht was man serviert bekommt. Zum nachgoogeln ist es zu spät, da das Internet zensiert und zudem extrem langsam ist. Unsere Vokabelliste mit allerlei Wörtern, die man zum bestellen und kommunizieren braucht funktioniert leider auch nur so halbwegs. Man kann halt auch nicht kontrollieren ob das übersetzte chinesische Schriftzeichen nun wirklich das bedeutet, was es soll. Im Deutschen kann eine Bank ja auch ein Kreditinstitut oder etwas zum draufsetzen sein 😀

So laaaaaangsaaaaaaam fängt es an uns hier alles etwas zu nerven. Doch erstmal kommt ein nächstes Highlight unserer Reise. Das Huangshan Gebirge.


Wörtlich übersetzt die gelben Berge. Inspiration für Filmemacher und das beliebteste Reiseziel überhaupt für Chinesen. Gott sei Dank sind wir kurz vor den Chinesischen Ferien (ganze sieben Tage im Jahr) angekommen und umgehen so die Massen, die ein paar Tage nach uns sich den Weg durchs Gebirge bahnen werden.

Wir wandern los. Bergsteigen oder wandern gehen bedeutet in China immer eins, nämlich Treppen steigen.
Und das nicht zu wenig. Um Chinas Menschenmassen zu bewältigen sind hier alle Wege bestens ausgebaut und sauber. Dennoch bleibt der individuelle Touch der Wege und Treppen erhalten und es ist ein absolutes Erlebnis sich durch das Gebirge zu schlängeln. Nachdem der Eintritt schon unverschämt teuer ist, müssen wir versuchen etwas zu sparen.In unserer Unterkunft lernen wir ein Paar kennen, die Asien mit dem Rad bereisen und 100-150km am Tag Fahrrad fahren. Das motiviert und wir sind guter Dinge selber die Berge zu besteigen und so zumindest die teuren Gondelfahrten zu vermeiden.

Doch das geht so richtig in die Beine. 60.000 Stufen gibt es im Gebirge und wir sind in den zwei Tagen fast alle Wege abgelaufen die es gab. Am ersten Tag noch von der Euphorie mitgerissen, zerrt am zweiten Tag der bereits vorhandene Muskelkater an der Kraft und Kondition. Ist es das wirklich wert?

Am zweiten Tag werde ich die ersten Stunden von Kaja verflucht, dass wir nicht mit der Gondel fahren sondern schon wieder die nicht enden wollenden Stufen hochlaufen, schwitzen und dabei andauernd den Chinesen als Paparazzimotiv dienen. Doch hoch oben am Celestial Peak werden wir belohnt, mit einem Ausblick der seinesgleichen sucht.

Allein der Weg dorthin ist eine Wucht, mit schmalen Treppen durch das Gebirge, kniehohen Stufen nahe dem Rand, an dem es hunderte von Metern bergab geht, gekrönt von Ausblicken über surrealwirkende Bergformationen. Ein schmaler Weg, gesichert mit einer 50cm hohen Seilführung, geht über den Gebirgskamm und links und rechts vom Weg ist einfach nur ein steiler Abhang.

Das Wunder was einem die Natur hier aufzeigt, es übersteigt jede Vorstellungskraft und ist nur schwer zu beschreiben oder mit Fotos oder Videos festzuhalten. Es raubt einem wörtlich den Atem, soweit man nach dem Aufstieg überhaupt noch einen hat.

Was man auch erwähnen muss, ist die Arbeit der "Schlepper". Ein ganzer Trupp von Männern, jeder Einzelne mit Waden von denen ein Fußballer nur träumen könnte, laufen Tag für Tag tausende von Treppen auf und ab, nur um neue Güter nach oben, bzw. den Müll wieder nach unten zu bringen. Und hier wird alles transportiert. Gasflaschen, Wasser, Reis, Gemüse, Bier, eben alles was der Touri da oben so gebrauchen kann und die Gipfelhotels zum kochen benötigen. Dass die Jungs bei einem Aufstieg über 80 kg an einem Holzbalken hängend hochschleppen (mehr als sie selbst wiegen) und damit umgerechnet gerade mal 10 Euro verdienen, hinterlässt wieder ein großes Fragezeichen zur chinesischen Kultur in unserem Kopf.

Ist das eine Arbeitsbeschaffung, die ein paar einfachen Leuten noch die Möglichkeit bietet ein paar Kröten dazu zu verdienen? Die Schlepper laufen bei jedem Wind und Wetter, drei bis vier mal am Tag den Berg hinauf und wieder hinunter. Wahnsinn!! Oder ist es einfach billiger als eine der vorhandenen Gondeln zu benutzen, die Nachmittags ja eh kaum noch besetzt sind. Wir wissen es nicht und verstehen es nicht, haben aber allerhöchsten Respekt vor den Männern, die hier Tag für Tag körperliche Schwerstarbeit leisten.

Wir sind jedenfalls super stolz den Berg zweimal besiegt zu haben und wurden an beiden Tagen mit sonnigem Wetter für unsere Mühe belohnt. Das Gebirge liegt 3/4 des Jahres im Nebel verborgen und zeigt sich nur selten von seiner atemberaubenden Seite.

Changsha, Guilin und unsere Kapitulation

Ein paar Tage später und wir befinden uns in Changsha. Die Berge haben ihre Spuren hinterlassen und wir quälen uns mit Muskelkater und sind erschöpft von der Reise. China zeigt uns unsere Grenzen, was aber auch mehrere Ursachen hat. Neben den schon erwähnten Problemen kommt jetzt hinzu, dass wir ausgerechnet hier sein müssen, wenn ganz China Urlaub hat.
Bei nur einer Woche Urlaub im Jahr sind die natürlich alle ganz geil drauf umherzureisen und sich selber ihr tolles Land anzugucken. Schön für die, schlecht für uns. Wir kommen nur über Umwege hier nach Changsha, da alle regulären Verbindungen schon ausgebucht waren. Der Weg über Yichun ist nicht wesentlich länger, auch wenn wir dafür im Zug keinen Sitzplatz haben und ein paar Stunden auf dem Boden sitzen müssen.

Unsere Internetrecherchen und Buchungen dauern dank der langsamen Internetverbindung meist den ganzen Tag und das Ergebnis ist eher nicht berauschend. So kommen wir hier nach einem Tag reisen endlich in unserem gebuchten Hotel an, nur um dann festzustellen (allein die Unterhaltung hat 2,5h gedauert), dass hier nur Chinesen und keine Ausländer einchecken dürfen. Wir werden langsam echt grandig und versuchen erneut etwas halbwegs Erschwingliches zu finden. Dank der Ferien ist einfach alles belegt und die Preise doppelt so hoch wie normal. Scheibenkleister!
Wir finden ein etwas schäbiges und in die Tage gekommenes Hotel, welches aber saubere Betten hat und geben uns damit zufrieden. Die nächsten drei Tage müssen wir zwangshalber warten, weil es erst ab dann erst wieder ein Zugticket gibt und wir weiter nach Guilin fahren können.

Changsha selbst ist, ähnlich wie Nanchang, eine Arbeiterstadt mit ein paar Millionen Einwohner, aber ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten. Als Zwischenstopp nach Guilin sitzen wir hier dennoch für ein paar Tage fest. Unser Highlight sind ein Carrefour zum Einkaufen (ein Glas Honig kostet schlappe 60 Euro) und ein Maultaschenstand gleich um die Ecke. Frustriert geben wir es auf mit der Metro zu fahren, da es am Automaten keine englische Menüführung gibt und wir keine Lust haben die Nadel im Heuhaufen zu suchen, sprich jemand zu finden der Englisch spricht und uns helfen könnte.

In Guilin sieht das ganze schon wieder besser aus. Die Stadt hat Flair, ist umgeben von Karstbergen und schlängelt sich am Tal entlang, ein Fluss führt durch die Stadt, wir finden unser Hotel auf Anhieb und es gibt leckeres und günstiges Straßenessen direkt um die Ecke. Wäre das unsere erste Station gewesen, wären wir bestimmt länger in China geblieben.
Aber zu guter letzt macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Drei Tage im strömenden Dauerregen lassen keine Ausflüge in die schöne Gegend zu und jeden Morgen vom Geräusch eines auf den Boden rotzenden Chinesen aufzuwachen ist auch etwas, was uns nicht dazu motiviert länger hier zu bleiben.

Wir haben kurz die billigesten Flüge gecheckt und schon sitzen wir im Flieger nach Kambodscha. Hier geht bald die Hauptsaison los und nach den reisenden Massen in China wollen wir uns unser nächstes Highlight, nämlich Angkor Wat, dann doch lieber angucken, bevor wieder tausende andere Reisende die selbe Idee haben.

China fürs Erste bist du uns los und falls wir nochmal kommen, dann auf jeden Fall mit mehr Vorbereitung, einem Guide oder einer geführten Tour.

Unsere Reiseausgaben in China findet ihr hier

Wissenswertes über China

- China allein ist so groß wie ganz Europa hat aber nur eine Zeitzone
- bevölkerungsreichstes Land der Welt(1,34 Millarden also 1.300.000.000 Menschen)
- die meisten Schweine der Welt leben in China, also die Tiere
- allein in China leben mehr Schweine als in den darauffolgenden 43 Ländern zusammen
- die Chinesen zeigen gern was sie haben - Gold zählt neben Holz, Wasser, Feuer und Erde zu den fünf Elementen des Lebens

Was wir hier generell cool fanden:

- leckere Dumplings an jeder Ecke
- super komfortable Züge mit drehbaren Sitzen je nach Fahrtrichtung
- man kommt sich vor wie ein Hollywoodstar, weil man andauernd fotografiert wird
- Taxifahren ist super günstig
- Sehenswürdigkeiten sind sauber und gepflegt
- generell sehr hilfsbereit, wenn denn mal jemand Englisch spricht
- Essen wird auf einer runden drehbaren Platte in der Mitte des Tisches serviert und jeder nimmt sich davon etwas mit den Stäbchen in seine eigene Schüssel

Was uns auf die Palme gebracht hat:

- das ständige Rumrotzen und -spucken der Chinesen
- vor Angst was falsches zu sagen lieber gar nicht zu kommunizieren
- Internetzensur und die lahme Geschwindigkeit
- viele Hotels, die keine Ausländer aufnehmen
- der Smog in den Städten
- echt schlechtes Bier

Was wir Verbotenes getan haben:

- Nacktbaden in einem heiligen Gebirgsfluss

Schlimmes und Nerviges:

- pro Sekunde werden in China 50.000 Zigaretten angezündet
- die Chinesen rotzen alle Nase lang durch die Gegend,
aber bei Tisch die Nase schnäuzen ist unhöflich
- die Chinesen drängeln und quetschen sich überall vor

Lustiges/Kurioses:

- Weltmarktführer in der Herstellung künstlicher Tannenbäume
- die Apfelsine kommt ursprünglich aus China
- Essen muss schmecken und das hört man - schmatzen ist ausdrücklich erlaubt
- China ist das Land mit den meisten Selfie-Stöcken (kommt uns zumindest so vor)
- Stäbchen in den Reis reinstecken bedeutet Tod! Also aufpassen beim essen 😀

2 Antworten

  1. Ma
    Gott! Mir ist schwindlich...so hoch! Für die Chinesen ist diese Geländer bis zum Taille aber für euch bis zum Knie! Das ist besser als die Chinamauer! Ich weiss nicht ob ich dort gehen könnte. Ale Achtung! Süße Grüße Ma
  2. Luitgard
    Ich finde gut, dass ihr so ehrlich über eure China-Eindrücke berichtet. Als ich das Straßenbild von Hongkong gesehen habe, ging es mir wie damals, als in Wallau ToysRus eröffnet wurde und diese Massen an Spielsachen mich fast erdrückten. Diese Stadt würde mich auch erdrücken. Das Video über das Gebirge ist umwerfend. Mir ist ja allein vom Anschauen schon schwindlig geworden. Unglaublich. Tolle Seite - gefällt mir gut! Bin schon gespannt auf den Zipline- Bericht! Ganz liebe Grüße an euch zwei :)

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