Auf Jobsuche Teil 1

Auf Jobsuche Teil 1

Nun ist es doch soweit. Lange haben wir es rauszögern können, aber irgendwann kommt der Punkt an dem uns das Geld langsam ausgeht. Eine kleine Restreserve behalten wir uns für eventuelle Autopannen und wollen die nicht anrühren.

Daher bleibt uns keine andere Wahl als uns endgültig auf Jobsuche zu begeben. Es gibt zwar viele Jobs in Australien, aber auch mindestens genauso viele Backpacker die hier rumreisen und auf Jobsuche sind. Dementsprechend sind gut bezahlte Jobs sehr begehrt. Aufregende, außergewöhnliche Jobs sind oft super schlecht bezahlt oder Leute arbeiten sogar acht Stunden am Tag umsonst für Unterkunft oder dreimal am Tag Essen oder beides, nur um die „Real Farmwork Experience“ zu machen. Auch beim allzu beliebten Fruitpicking hören wir immer wieder neue unglaublich schreckliche Geschichten!

Nur um sein Working Holiday Visa zu verlängern (man muss 88 Tage Farmarbeit nachweisen können), lassen sich viele Backpacker rumschubsen, mies behandeln und nicht richtig bezahlen. Und als Dankeschön darf man im Nirgendwo den ganzen Tag monotone Knochenarbeit leisten. Zusätzlich werden dann noch utopische Unterkunftspreise verlangt, falls diese nicht inbegriffen ist. Am besten zahlt man auch noch einen Pfand im Voraus um zu garantieren, dass man auch eine Mindestzeit bleibt. Und das alles nur um ein zweites Jahr hier zu bleiben? Als ob es in anderen Ländern wie Neuseeland oder Kanada nicht auch Working Holiday Visa und viel zu sehen gibt. Wir werdens wohl nie nachvollziehen können, aber ganz klar ist, wir wollen gute Arbeit für einen fairen und ehrlichen Lohn.
Dass Fruitpicking ja nicht unbedingt die Hölle auf Erden sein muss oder man auch echt gut verdienen kann, haben wir auch schon gehört und probieren wollen wir es auf alle Fälle.
Während wir also auf Jobsuche sind, die Jobboards durchkämmen und anfangen unsere Lebensläufe zu übersetzen und anzupassen, reisen wir parallel dennoch weiter und so kommen hier und da doch noch ein paar Highlights auf uns zu.

Whale Watching bei Hervey Bay

Wir sind am Hafen von Hervey Bay, dem Startort für Touren zur größten Sandinsel der Welt, Fraser Island. Da die Temperaturen aber nicht gerade dazu geeignet sind baden zu gehen, entscheiden wir uns das Ganze etwas zu verschieben und stattdessen etwas zu machen was zur Saison passt. Ab Juli fängt nämlich die Whale Watching Saison an. Tausende Buckelwale sind auf ihrem Weg entlang Australiens Ostküste und machen hierbei immer gerne in der Bucht von Fraser Island halt.
Nach einigen Recherchen können wir uns auch sicher sein mit dem von uns gewählten Anbieter keinen Fehler zu machen. Schließlich wollen wir die Riesen zwar zu Gesicht bekommen, aber man muss ihnen dabei ja nicht bis auf wenige cm auf die Pelle rücken. Und schon befinden wir uns am nächsten Tag früh morgens auf einem nicht zu großen Boot bei einem Anbieter der bereits 25 Jahre Erfahrung hat.
Alles ist super sauber und wir können uns bei dem reichlichen Frühstück erstmal den Bauch füllen. Immerhin dauert die Anfahrt auch über eine Stunde. Auf dem Weg fahren wir entlang der Küste von Fraser Island und können vom Meer aus bestaunen, wie rießig diese Sandinsel ist. Gute 100 km lang ist die Insel und es lässt sich erahnen warum hier im Sommer alle Touren ausgebucht sind, um an den Stränden mit 4x4 Geländewagen rumzuheizen.
Während der Fahrt sehen wir mittlerweile schon in der Weite erste Wasserfontänen von vorbeiziehenden Walen.

Als wir in die Nähe der Bucht kommen heißt es Ausschau halten und nicht lange dauert es bis wir die ersten Wale entdecken. Langsam fahren wir mit dem Boot Richtung Wale und ab einem gewissen Sicherheitsabstand wird der Motor abgestellt. Ab da liegt es an den Walen wie nah sie an uns ran kommen wollen.
Und ja das wollen sie. Wir haben eher ein paar Blicke von der Ferne erwartet, aber die Wale tauchen plötzlich weniger als 30 m von uns entfernt auf und tauchen wieder ab. Rund um das Boot weiß man nie wo einer wieder auftauchen wird. Es ist spannend und faszienierend zugleich. Schließlich will man die Tiere so lang wie möglich betrachten. Die Crew ist mittlerweile selber ganz aus dem Häusschen und erzählt uns interessante Fakten über das Leben der Wale.

Und so nah sie uns gekommen sind so schnell sind die Wale auch wieder weg. Nur eine kreisförmige glatte Oberfläche hinterlässt der Wal beim abtauchen auf dem Wasser.
Wir begeben uns wieder auf die Suche und ertasten uns zu den nächsten Walen. So geht es den ganzen Vormittag immer weiter. Die Buckelwale erreichen eine Länge von bis zu 15 m und wiegen bis zu 30 Tonnen.
Das sind schon echt beeindruckende Maße. Einige der Wale schwimmen auch immer wieder auf dem Rücken und zeigen ihren weißen Bauch. Buckelwale heißen sie vor allem, da sie beim Abtauchen immer einen Buckel machen und dabei sehr häufig auch ihre Schwanzflosse in die Luft strecken, was wir sehr oft beobachten konnten.
Leider hatte in der Nähe zu uns keiner Lust mal einen akrobatischen Sprung zu vollziehen, aber in der Ferne konnten wir ein- zweimal die Sprungfreudigkeit der Buckelwale beobachten.

Schön zu beobachten das die Buckelwale, für die es seit 1966 ein weltweites Fangverbot gibt, sich wieder relativ erholt haben und die Bestände weiter steigen. Während der damaligen Jagdsaison gingen die Bestände von über 100.000 bis auf wenige tausend Buckelwale zurück. Seitdem stehen die Tiere auf der roten Liste bedrohter Tierarten und durch das Fangverbot gibt es mittlerweile wieder ca. 60.000 Exemplare die durch die Weltmeere schwimmen.
Erfreulich zu sehen, dass der internationale Druck hier auch Japan zur Vernunft getrieben hat, welche 2007 eine erneute Waljagdperiode ins Leben rufen wollten, es dann aber doch nicht taten.

Sunshine Coast

Wieder ein toller Name für ein kleines Städtchen namens Noosa. Der kleine Ort besticht durch tolle Strände, gemixt mit etwas Surferflair und einem städtischen Nationalpark direkt an der Küste. Hier gefällt es uns auf Anhieb und das hier einige etwas länger bleiben als erwartet wundert auch niemanden. Die Wege des kleinen Nationalparks sind gut besucht und führen direkt am Meer entlang zu verschiedenen Stränden und Klippen. Hier sehen wir auch unseren ersten Koala in freier Wildbahn. Hoch oben in einem Eukalyptusbaum sitzt der putzige Koala in einer Astgabelung und hält seine Siesta.
Von hier an laufen wir nur noch mit dem Kopf im Nacken durch die Gegend, aber außer ein paar besonders großer Krokodil-Nachtechsen, welche uns ganz schön anmeckern beim Foto machen, können wir keinen Koala mehr erblicken. Dennoch die Gegend an der Sunshine Coast ist ein wunderbarer Mix aus Natur, Strand und Surfern. So wie man sich wohl die meiste Zeit Australien vorstellt.

Australia Zoo

Bevor es jetzt aufs Feld geht kommen wir aber noch beim Australia Zoo vorbei. Der wohl bekannteste Zoo in Australien dank des Crocodile Hunters. Wir begeben uns also auch für einen Tag auf die Spuren von Steve Irwin und seiner Frau und genießen es bei bestem Wetter den weitläufigen und riesigen Zoo zu erforschen. Normalerweise sind wir ja nicht so die Zoofans, da es am Schluss eben doch alles eingesperrte Tiere sind, aber hier kommen einem die Gehege eben doch größer und geräumiger vor.
Und durch die hohe Popularität des Zoos kommt auch genug Geld rein um die individuelle Betreuung der Tiere stärker zu unterstützen. Ach und wer mal Zeit hat eine Folge Crocodile Hunter zu gucken, sollte mal auf seine Aussprache achten. So reden die Leute hier nämlich wirklich 😀

Hier ein paar Eindrücke der ganzen Tiere, die wir vor die Linse bekommen haben.

Gatton

Wir schauen was zurzeit im Harvest Calender steht und begeben uns ins selbe kleine Städtchen in dem unsere drei Berliner, die wir in Cairns getroffen haben, schon seit einiger Zeit auf einer Brokkoli Farm arbeiten.
Als wir ankommen, haben wir bereits Rücksprache mit einer Farm gehabt und abends um acht kommt die erfreuliche Nachricht, dass wir direkt morgen früh anfangen können zu arbeiten. Happy, dass es mit dem Job geklappt hat, kommen aber auch gleich die Probleme dazu.
Alle Geschäfte haben bereits zu und wir können uns keine Arbeitskleidung mehr kaufen. Gott sei Dank können uns die Berliner mit allerlei Kleidung aushelfen und so begeben wir uns relativ früh ins Bettchen, denn am nächsten Tag geht es schon sehr, sehr früh los.

Die Fruitpicking Abzocke

Klar jeder wird jetzt sagen, die jammern doch und haben ein Jahr lang nicht gearbeitet und sind verweichlicht, aber da wir eben nicht auf ein zweites Jahr Visa hinarbeiten müssen, lassen wir uns gewisse Sachen einfach nicht gefallen.
Aber fangen wir vorne an. Ganz vorne. Es ist 3:00 Uhr morgens und der Wecker klingelt.
Kaum geschlafen geht’s für mich (Henning) raus aus dem Bett und hinein in die Kälte. Alles schnell zusammengepackt und dann ab auf die Straße um auf den Transport zu warten. Mit im umgebauten Geländewagen hocken 10 andere Backpacker, größtenteils Engländer, die auch alle mehr schlafen als wach sind.
Eine halbe Stunde später stehen wir schon auf dem Feld. Es ist sau kalt und nass, da es in der Nacht geregnet hat. Im Stockdunkeln bekommt jeder ein Messer in die Hand gedrückt und los geht es mit dem Salatköpfe abschneiden.
Wir laufen hinter dem Seitenarm eines Traktors hinterher, beleuchtet von einer schwach leuchtenden immer wieder ausfallenden LED Leiste. Als es nach 3h Stunden Dunkelheit und ohne Zeitgefühl endlich hell wird gibt es auch unsere erste kurze Zwangspause um den Anhänger zu tauschen. Das erste Mal hat man die Zeit einen kleinen Schluck Wasser zu trinken. Eine Toilette gibt es generell nicht, wer muss der stellt sich an den Rand. Definitiv ein Vorteil ein Mann zu sein.
Bei Kaja ging es mittlerweile auch los. Sie wurde erst um 6 Uhr morgens abgeholt.
Während die Jungs die Salatköpfe abschneiden, einsortieren und die schweren Kisten aufs Laufband bugsieren, müssen die Mädels Mini-Brokkoli, also Brokkolini vom Feld sammeln und dann in große Sammelbehälter werfen. Da das rumhantieren mit den Kisten voller Salat zu schwer ist für Frauen wird also einfach nach körperlicher Fähigkeit unterschieden.
Wie eine Sklaventreiberin läuft hinter uns die Chefin hin und her und guckt jedem über die Schulter. Regelmäßig halten wir an und der Reihe nach wird einer zur sau gemacht zu langsam zu sein oder zu viel abzuschneiden.
Nach weiteren drei Stunden haben wir wieder eine Zwangspause und können diese nutzen uns schnell unser Mittagessen reinzuschaufeln. Und wirklich, für mehr als ein paar Bisse reicht die Zeit nicht aus. Inzwischen ist es mega heiß, alle sind von den klitschnassen Morgenstunden ins klitschnasse Schwitzen übergegangen. Wobei man den Schweiß gar nicht so sieht da man eh von oben bis unten mit Matsch bedeckt ist.
Nach zwei Feldern voller Salatköpfen kommt nun noch ein Runde Womboks schneiden dran. Die Teile sind zwar leichter zu schneiden, dafür aber umso schwerer. Uns untereinander zu unterhalten wurde uns mittlerweile auch verboten. Nicht quasseln, sondern arbeiten ist die Devise.
Bei der Fahrt zum Feld wird mir schnell der Arbeitsvertrag in die Hände gedrückt. Viel Zeit zum Durchlesen bleibt nicht, aber kurz überflogen hört sich schon alles schlimm genug an. Zudem steht dort, dass einem täglich für die 15 min Fahrt direkt noch einmal acht Dollar täglich abgeknüpft werden.
Wahnsinn! Wir haben ja noch Glück in Gatton selbst nur 90 Dollar pro Person und Woche für die Unterkunft zu zahlen. Die meisten hier sind 30 km weiter und zahlen 150 für ein Working Hostel. Sprich jeden Tag noch eine halbe Stunde länger An – und Heimfahrt, unbezahlt natürlich.
Während sich der Tage dem Ende neigt, wunder ich mich immer mehr um die ganze Horde an Leuten, die sich hier ausnehmen und abzocken lassen nur um noch ein zweites Jahr hier bleiben zu dürfen.
Die Tagesdevise hieß einfach durchhalten und das hat auch geklappt, aber als wir letztendlich erfahren haben, was wir für das Aufstehen mitten in der Nacht und die Knechterei den ganzen Tag bekommen haben, steht die Entscheidung direkt fest. Keinen Tag länger!!
Mit kaputten Rücken liegen wir im Zimmer und rechnen uns unseren Stundenlohn aus. Umgerechnet knappe 6 Euro!!! die Stunde. Bitte? Was? Dafür? Knechten ja aber doch nicht für diesen Hungerlohn!

Nein Danke.

Und so schnell wie unser ersten Arbeitstag angefangen hat, hat auch unser letzter Arbeitstag aufgehört. Wir sind raus. Fruitpicking nein danke. Nicht zu diesen Konditionen. Nach ein paar Tagen Muskelkater und abendlichen Umtrunk mit den Berlinern geht es für uns wieder gen Osten. An der Ostküste wartet die Goldcoast und Surfers Paradise auf uns, und so wie es aussieht gibt es dort auch jede Menge andere Jobs die wir ausprobieren können.

Goldcoast und Surfers Paradise

Oh ja der Name kommt nicht von ungefähr. Kilometerlanger perfekter weißer Sandstrand berühren hier hunderte meter hohe Hochhäuser. Die Skyline der Goldcoast scheint fast größer als die von Brisbane. Hier leben sie also, die Schönen und Reichen von Australien. Unmengen an Kanälen wurden hier gebaut damit fast jedes Haus auch seinen eigenen privaten Zugang zum Meer hat.
Vom Himmel aus betrachtet erinnert das Ganze schon an die verrückten aufgeschütteten Inseln in Dubai. Aber auch an den Geschäften und Einkaufszentren ist ganz klar zu sehen, hier tümmeln sich gerne die, denen es ganz ganz gut geht. Für unseren Geschmack schon fast etwas zu gut.
Nach unserer ersten schlechten Erfahrung im Wildcampen und einer Verwarnung von 600 Dollar falls wir nochmal irgendwo in der Stadt in unserem Auto schlafen wollen, flüchten wir anfangs jede Nacht 14 km in einen anliegenden Wald um einem Bußgeld zu entgehen. Dafür entdecken wir hier durch Zufall die nationale Dronenflugmeisterschaft von Australien.

Belustigt schauen wir zu wie die Piloten in ihre 3D Brillen gucken, den Parkour fliegen und regelmäßig irgendwo hängen bleiben. Fesselnd ist das ganze schon, da man auf einem großen Fernseher die Flugkünste der Piloten direkt mitverfolgen kann, da alle Videos der 3D Brillen direkt auf den Fernseher übertragen werden. Ein absolut lustiger Sport für Technikfreaks.
Als wir ein paar Tage später erfahren, das wir ganz im Norden der Stadt direkt am Zipfel der Küste umsonst campen können gefällt es uns gleich um einiges mehr. Wir wachen mit Blick aufs Meer auf, sportlen tagsüber und nach einer eiskalten Dusche gehen wir unserem Job nach und bewerben uns auf einige Stellen und schreiben fleißig verschiedene frei erfunden Lebensläufe je nach Beruf.
Und so kommt es auch das wir ein paar Tage später gleich zwei Anrufe bekommen. So schnell kann es gehen. Erst geht nichts und dann heißt es auf einmal Brisbane oder Byron Bay.

Unsere Reiseausgaben in Australien findet ihr hier

Unsere Gesamtkosten für unseren Campervan sind hier zusammengefasst

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Schreib einen Kommentar